Dienstag, 28. Januar 2014 19:00 Uhr

„Ich gebe mir die Ehre, Sie zu ersuchen…” Briefe an Generalgouverneur Hans Frank 1939/40

Einführung:
Prof. Dr. Robert Traba
Vortrag:
Prof. Dr. Jerzy Kochanowski
Moderation:
Prof. Dr. Andreas Nachama

Topographie des Terrors, Auditorium
Niederkirchnerstraße 8, Berlin-Kreuzberg
Eintritt frei

(Im Rahmen der Vortragsreihe Krieg – Besatzung – Erinnerung. Polen und der Zweite Weltkrieg)

(In Kooperation mit dem Zentrum für Historische Forschung Berlin der Polnischen Akademie der Wissenschaften)

Nach Beginn des Zweiten Weltkriegs wurde ein Teil der von Deutschland besetzten Gebiete Polens annektiert, der übrige Teil zum „Generalgouvernement” unter deutscher Zivilverwaltung zusammengefasst. An deren Spitze stand seit Oktober 1939 der NS-Jurist Hans Frank. Er ließ das Land rücksichtslos ausbeuten und war mitverantwortlich für den Völkermord an den Juden sowie die Unterdrückung und Ermordung der nicht-jüdischen polnischen Bevölkerung.
In seinem Vortrag stellt Jerzy Kochanowski am Beispiel von heute im Warschauer Archiv der Neuen Akten befindlichen Briefen an Generalgouverneur Hans Frank dar, wie unterschiedlich Haltungen und Hoffnungen der Bevölkerung zu Beginn der Besatzungszeit waren. Briefe schrieben sowohl Polen als auch Russen, Ukrainer, Juden, Deutsche und solche, die Deutsche werden wollten. Einige schlugen die Bildung eines polnischen „Reststaates” vor, andere baten um die deutsche Staatsbürgerschaft oder um die Möglichkeit der Rückkehr aus dem Exil. Die meisten Gesuche betrafen jedoch Probleme des „Alltags”, wie die Bitten nach Rückgabe beschlagnahmter Gegenstände, nach Hilfe beim Wiederaufbau eines abgebrannten Hauses oder beim Suchen der seit September 1939 vermissten Verwandten. Die Gesuche der Juden betrafen meist nur eine Frage: die Befreiung vom Zwang, die Armbinde mit dem „Judenstern” tragen zu müssen.

Jerzy Kochanowski, 1960 geboren, ist Professor am Historischen Institut der Universität Warschau. Zuvor war er am Deutschen Historischen Institut Warschau tätig. Zu seinen in deutscher Sprache vorliegenden Publikationen gehören In polnischer Gefangenschaft. Deutsche Kriegsgefangene in Polen 1945–1950 (2004), Die „Volksdeutschen” in Polen, Frankreich, Ungarn und der Tschechoslowakei. Mythos und Realität (2006, hg. mit Maike Sach), Deutschland, Polen und der Zweite Weltkrieg (2009, hg. mit Beate Kosmala, 2. Aufl. 2013) und Jenseits der Planwirtschaft. Der Schwarzmarkt in Polen 19441989 (2013).

Robert Traba, 1958 geboren, ist Direktor des Zentrums für Historische Forschung Berlin der Polnischen Akademie der Wissenschaften und Honorarprofessor an der Freien Universität Berlin. Der Historiker ist seit 2007 Leiter des Projekts „Deutsch-Polnische Erinnerungsorte”. Er ist stellvertretender Vorsitzender des Internationalen Beirats der Stiftung Topographie des Terrors und Co-Vorsitzender der Deutsch-Polnischen Schulbuchkommission.

Andreas Nachama ist Direktor der Stiftung Topographie des Terrors.