Dienstag, 1. Dezember 2015 19:00 Uhr

Hitler und das Griechentum

Vortrag: Prof. Dr. Alexander Demandt, Berlin
Moderation: Prof. Dr. Martin Vöhler, Thessaloniki

Topographie des Terrors, Auditorium
Niederkirchnerstraße 8, Berlin-Kreuzberg
Eintritt frei

Im Rahmen der Vortragsreihe Griechenland unter deutscher Besatzung 1941–1944

(Gemeinsam mit dem Centrum Modernes Griechenland der Freien Universität Berlin)

Die Antike nahm im Weltbild Hitlers einen bedeutsamen Platz ein. Was Hitler an den Griechen schätzte, war in erster Linie das Schönheitsideal der klassischen Kunst. Der dorische Stil, in der NS-Architektur nachgeahmt, galt als „Ausdruck der neuen Ordnung” (A. Speer). Der Kriegerstaat Spartas wurde zum Muster der eigenen Gesellschaftsordnung deklariert. Schon 1929 hatte Hitler in einer Rede Sparta als „klarsten Rassenstaat der Geschichte” bezeichnet, zu dessen Merkmalen auch Zucht und Opferbereitschaft für den Staat zählten. Im Gegensatz zu Rosenberg und Himmler, die die Überlegenheit der nordisch-germanischen Rasse propagierten, sah Hitler in den „arischen” Völkern der klassischen Antike die Vorfahren der Deutschen. 1936 boten die Olympischen Spiele in Berlin Hitler Anlass, propagandawirksam die Ausgrabungen des Deutschen Archäologischen Instituts in Olympia wieder aufzunehmen. Trotz des seit 1941 gegen Griechenland geführten Krieges wurden sie bis 1944 fortgeführt.
In seinem Vortrag lotet Alexander Demandt aus, welche Aspekte der griechischen Antike für Hitler von Bedeutung waren und zeigt, dass die Antike nicht nur seine ästhetischen Urteile bestimmte, sondern auch als Bestätigung für seine politischen Maßnahmen herangezogen wurde.

Alexander Demandt, 1937 geboren, ist Professor em. für Alte Geschichte am Friedrich-Meinecke-Institut der Freien Universität Berlin. Er hat zahlreiche Veröffentlichungen vorgelegt, darunter das Standardwerk Der Fall Roms (1984, Neuaufl. 2014) und das Handbuch Die Spätantike (1989, 2. Aufl. 2007), Ungeschehene Geschichte. Ein Traktat über die Frage: Was wäre geschehen, wenn ...? (1984, Neuausg. 2011), Über die Deutschen (2007), Alexander der Große (2009), Philosophie der Geschichte (2011) und Pontius Pilatus (2012). 2002 erschien in der Historischen Zeitschrift sein Aufsatz Klassik als Klischee. Hitler und die Antike.

Martin Vöhler, 1959 geboren, ist Professor für Klassische Philologie an der Aristoteles-Universität Thessaloniki. Zuvor war er u.a. wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Freien Universität Berlin. Zu seinen Veröffentlichungen gehört Urgeschichten der Moderne. Die Antike im 20. Jahrhundert (2001, hg. mit Bernd Seidensticker).