Mittwoch, 16. Dezember 2015 19:00 Uhr

Häftling im „Hausgefängnis” der Gestapo-Zentrale: Der katholische Theologe und Pazifist Max Josef Metzger

Vortrag: Karl Kardinal Lehmann, Mainz
Moderation: Prof. Dr. Andreas Nachama, Berlin

Topographie des Terrors, Auditorium
Niederkirchnerstraße 8, Berlin-Kreuzberg
Eintritt frei

(Gemeinsam mit der Gedenkstätte Deutscher Widerstand)

Der katholische Theologe Dr. Max Josef Metzger (1887–1944) war bereits im Januar 1934 wegen seiner Denkschrift „Die Kirche und das neue Deutschland” kurz inhaftiert. 1938 gründete er die unitarische „Una-Sancta-Bruderschaft”. Nach einem zweiten Gefängnisaufenthalt zog er nach Berlin und war zeitweilig Priester an der St. Joseph-Kirche in Wedding. 1943 verfasste er eine Denkschrift, in der er seine Gedanken zu einer staatlichen Neuordnung Deutschlands und dessen Einbindung in eine zukünftige Weltfriedensordnung darlegte. Dieses Memorandum, das an den schwedischen Erzbischof Erling Eidem übermittelt werden sollte, fing eine Gestapo-Agentin ab. Metzger wurde verhaftet und war vom 29. Juni bis zum 11. September 1943 im „Hausgefängnis” der Gestapo in der Prinz-Albrecht-Straße 8 inhaftiert. Wegen „Zweifels am Sieg und Friedensarbeit” wurde er im Oktober 1943 vom Volksgericht zum Tode verurteilt und am 17. April 1944 im Zuchthaus Brandenburg-Görden hingerichtet.
In seinem Vortrag beschreibt Karl Lehmann den Werdegang Max Josef Metzgers und sein vielfältiges Engagement, insbesondere für die Ökumene und in der internationalen Friedensarbeit. Er berichtet auch über die Rezeption des Theologen nach dem Krieg und das 2006 eröffnete Seligsprechungsverfahren.

Karl Lehmann, 1936 geboren, ist Bischof von Mainz. Nach einem Studium der Philosophie und Theologie in Freiburg i.Br. und München sowie Rom promovierte er an der Päpstlichen Universität Gregoriana in beiden Fachgebieten. Später lehrte er zunächst an der Universität Mainz, danach war er Professor für Dogmatik und Ökumenische Theologie an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. 1983 wurde er zum Bischof gewählt und von Papst Johannes Paul II. zum Bischof von Mainz ernannt. Von 1987 bis 2008 war er Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz. 2001 wurde er in das Kardinalskollegium berufen. Kardinal Lehmann hat zahlreiche Publikationen vorgelegt und ist Träger vielfacher Auszeichnungen.

Andreas Nachama ist Direktor der Stiftung Topographie des Terrors.