Dienstag, 20. November 2012 19:00 Uhr

Gestapo intern: Einblicke in das private Fotoalbum eines Gestapo-Chefs und in den außerdienstlichen Alltag einer Stapo-Stelle

Vortrag: Prof. Dr. Gerhard Paul, Flensburg
Moderation: Klaus Hesse, Berlin

Topographie des Terrors, Auditorium
Niederkirchnerstraße 8, Berlin-Kreuzberg
Eintritt frei

Innenansichten der Gestapo sind rar. Vorherrschend ist der funktionalistische Blick auf die Gestapo von außen und gegebenenfalls der Blick auf ihre konkrete dienstliche Tätigkeit. Aber wie sahen sich die Gestapo-Angehörigen selbst, wie deuteten sie ihre Arbeit in Schrift und Bild, wie gestaltete sich ihre außerdienstliche Tätigkeit und: ist es überhaupt wichtig, dies zu wissen und sich hiermit zu befassen? Zwei Funde geben zu diesen Fragen nun näher Auskunft: ein Fotoalbum des Flensburger Gestapo-Chefs Hans Hermannsen, das auch Aufnahmen vom dienstlichen Alltag der Gestapo enthält, sowie drei Festzeitungen der Gestapo aus den Jahren 1936 bis 1939 mit Berichten, Zeichnungen und Collagen, die sowohl Einblicke liefern zu den dienstlichen wie den außerdienstlichen Aktivitäten einer regionalen Staatspolizeistelle im äußersten Norden Deutschlands. Zum Teil beziehen sich diese Quellenfunde sogar aufeinander. In seinem Vortrag stellt Gerhard Paul beide Quellenfunde in zahlreichen Bildbeispielen vor und ordnet sie in die Gestapo-Forschung ein. Deutlich wird dabei eine „Banalität des Bösen” (H. Arendt) der besonderen Art.

Gerhard Paul, 1951 geboren, ist Professor für Geschichte und ihre Didaktik an der Universität Flensburg. Zu seinen Arbeitsschwerpunkten gehören die NS-Täterforschung sowie die Medialität und Visualität der Geschichte. Er ist durch zahlreiche Publikationen zur Gestapo im Allgemeinen und zur Staatspolizei in Schleswig-Holstein im Besonderen ausgewiesen. Zu den neueren Veröffentlichungen gehören Bilder des Krieges – Krieg der Bilder. Die Visualisierung des modernen Krieges (2004), Visual History. Ein Studienbuch (Hg., 2006), das zweibändige Werk Das Jahrhundert der Bilder (Hg., 2008/09) sowie Öffentliche Erinnerung und Medialisierung des Nationalsozialismus (hg. mit Bernhard Schoßig, 2010). Derzeit erhält Gerhard Paul die Forschungsförderung „opus magnum” für sein Projekt zur „Visual History” des 20. Jahrhunderts.

Klaus Hesse ist wissenschaftlicher Mitarbeiter der Stiftung Topographie des Terrors und Kurator der Dauerausstellung „Topographie des Terrors. Gestapo, SS und Reichssicherheitshauptamt in der Wilhelm- und Prinz-Albrecht-Straße”.