Dienstag, 7. Oktober 2014 19:00 Uhr

Geheimdienst gegen den „Gegner in den Lebensgebieten”. Das Amt III des Reichssicherheitshauptamts

Vortrag: Dr. Carsten Schreiber (Hannover)
Moderation: Prof. Dr. Michael Wildt (Berlin)

Topographie des Terrors
Niderkirchnerstraße 8 10963 Berlin
Eintritt frei

Im Rahmen der Reihe Das Reichssicherheitshauptamt. NS-Terror-Zentrale im Zweiten Weltkrieg

(Gemeinsam mit dem Institut für Geschichtswissenschaften der Humboldt-Universität zu Berlin)

Der Sicherheitsdienst (SD) der SS, seit seiner Gründung 1931 von Reinhard Heydrich geführt, war eine Einrichtung der NSDAP. Im 1939 geschaffenen Reichssicherheits­hauptamt unter Leitung Heydrichs wurde er mit der staatlichen Sicherheitspolizei zusam-mengefasst, organisatorisch wie inhaltlich neu ausgerichtet und in drei Ämter gegliedert. Das größte dieser Ämter war das Amt III – der SD-Inland – unter Leitung von Otto Ohlendorf, dessen totalitäres Programm der Überwachung während des Zweiten Weltkriegs darauf zielte, die „Gegner” in allen Bereichen des öffentlichen Lebens zu identifizieren.

In seinem Vortrag beleuchtet Carsten Schreiber Struktur und Aufgaben des Amts III. Nachgezeichnet werden die vielfältigen geheim- und nachrichtendienstlichen Aktivitäten des SD-Inlands, der mit den „Meldungen aus dem Reich” die NS-Führung über die aktuelle innenpolitische Lage und die Stimmung in der Bevölkerung informierte, durch die Aktionen der „Einsatzgruppen der Sicherheitspolizei und des SD” in den von der Wehrmacht besetzten Gebieten aber auch direkt an der nationalsozialistischen Mordpolitik beteiligt war. Der Blick wird auch auf die Nachkriegszeit gelenkt, in der zahlreiche ehemalige Mitglieder des SD in den Bundesnachrichtendienst oder in die Bundes- und Landesämter für Verfassungsschutz aufgenommen worden sind.

Carsten Schreiber, 1971 geboren, ist Angestellter bei Dell. Bis 2004 war er wissenschaftlicher Mitarbeiter am Historischen Seminar der Universität Leipzig. Er hat diverse Aufsätze zur Geschichte des Sicherheitsdiensts der SS publiziert. Für seine Dissertation, die 2008 unter dem Titel Elite im Verborgenen. Ideologie und regionale Herrschaftspraxis des Sicherheitsdienstes der SS und seines Netzwerks am Beispiel Sachsens erschien, wurde er mit dem Preis der Horst-Springer-Stiftung für Neuere Geschichte in der Friedrich-Ebert-Stiftung ausgezeichnet.

Michael Wildt, 1954 geboren, ist Professor für Deutsche Geschichte im 20. Jahrhundert mit Schwerpunkt im Nationalsozialismus an der Humboldt-Universität zu Berlin. Er hat zahlreiche Studien zur Geschichte der Gewalt und zum nationalsozialistischen Terror vorgelegt, darunter Generation des Unbedingten. Das Führungskorps des Reichssicherheitshauptamts (2002, durchges. und akt. Neuausgabe 2008).