Dienstag, 26. Februar 2013 19:00 Uhr

Gedenkort Rosenstraße 2–4. Internierung und Protest im NS-Staat

Vortrag: Prof. Dr. Wolf Gruner, Los Angeles
Moderation: Prof. Dr. Andreas Nachama, Berlin

Topographie des Terrors, Auditorium
Niederkirchnerstraße 8, Berlin-Kreuzberg
Eintritt frei

(Anlässlich des 70. Jahrestags der „Fabrik-Aktion” und des Protests in der Rosenstraße)

In der Rosenstraße 2–4 errichtete die Jüdische Gemeinde 1905 ein großes Verwaltungsgebäude, das später unter anderem das Wohlfahrts- und Jugendamt beherbergte. Im Februar 1943 verhaftete die Gestapo über Zehntausend jüdische Berliner meist an ihren Zwangsarbeitsplätzen. Im Gebäude Rosenstraße 2–4 hielt die Gestapo etwa 2.000 Menschen, die nach der NS-Rassengesetzgebung in „Mischehe” lebten, bis zu zwei Wochen fest, um ihren Status zu überprüfen und unter ihnen Fachpersonal als Ersatz für zu deportierende Mitarbeiter jüdischer Einrichtungen auszuwählen. Vor dem Haus versammelten sich damals viele Verwandte der Internierten – überwiegend Frauen. Dass dabei tagelang die Freilassung der Festgehaltenen gefordert wurde, fand in den letzten zwei Jahrzehnten in der deutschen und internationalen Öffentlichkeit Beachtung und Würdigung. Seit den 1990er Jahren erinnern unter anderem ein Denkmal sowie zwei von der Stiftung Topographie des Terrors errichtete Litfaßsäulen mit historischen Bild- und Textdokumenten in der Nähe des im Krieg zerstörten Gebäudes an die Ereignisse.
In dem neuen Buch Gedenkort Rosenstraße 2–4. Internierung und Protest im NS-Staat (2013, Topographie des Terrors. Notizen, Bd. 6) beschreibt Wolf Gruner die Hintergründe des Jahres 1943, die Geschehnisse im und vor dem Gebäude sowie die Erinnerung an die Ereignisse seit dem Kriegsende. Der Band wird ergänzt durch einen Zeitzeugenbericht von Ruth Gross.

Wolf Gruner, 1960 geboren, ist Inhaber des Shapell-Guerin Chairs in Jewish Studies und Professor für Geschichte an der University of Southern California in Los Angeles. Nach seiner Habilitation an der Technischen Universität Berlin war er u.a. Gastprofessor an der Webster University, St. Louis, und deren Campus in Wien. Er hat zahlreiche Veröffentlichungen vorgelegt. Zu den neueren Publikationen gehören Widerstand in der Rosenstraße. Die Fabrik-Aktion und die Verfolgung der „Mischehen” 1943 (2005), Jewish Forced Labor under the Nazis. Economic Needs and Racial Aims 19381945 (2006), Judenverfolgung in Berlin 1933–1945. Eine Chronologie der Behördenmaßnahmen in der Reichshauptstadt (2. erw. Aufl., 2009) und Das Großdeutsche Reich und die Juden. Nationalsozialistische Verfolgungspolitik in den angegliederten Gebieten (2010, hg. mit Jörg Osterloh).

Andreas Nachama ist Geschäftsführender Direktor der Stiftung Topographie des Terrors.