Dienstag, 21. Oktober 2014 19:00 Uhr

Führungsinstanz der Gestapo. Das Amt IV des Reichssicherheitshauptamts

Vortrag: Prof. Dr. Gerhard Paul (Flensburg)
Moderation: Prof. Dr. Michael Wildt (Berlin)

Topographie des Terrors
Niederkirchnerstraße 8 10963 Berlin
Eintritt frei

Im Rahmen der Reihe Das Reichssicherheitshauptamt. NS-Terror-Zentrale im Zweiten Weltkrieg

(Gemeisam mit dem Institut für Geschichtswissenschaften der Humboldt-Universität zu Berlin) 

Die Geheime Staatspolizei wurde bereits knapp drei Monate nach der nationalsozialistischen Machtübernahme als eigene Sonderbehörde in Preußen etabliert. 1936 wurde sie als eine Behörde des gesamten Deutschen Reichs konstituiert und zusammen mit der Kriminalpolizei im Hauptamt „Sicherheitspolizei” unter Reinhard Heydrich zusammengefasst. Im neu gegründeten Reichssicherheitshauptamt war die Gestapo als Amt IV während des Zweiten Weltkriegs maßgeblich an der systematischen Verfolgungs- und Vernichtungspolitik beteiligt.
In seinem Vortrag beschreibt Gerhard Paul die Gestapo als autonom agierende „völkische Polizei”, deren Aufgaben sich nach Kriegsbeginn auch in den besetzten Gebieten immer mehr ausweiteten. Er analysiert die ideologische Radikalisierung des Personals des Amts IV, die Radikalisierung der polizeilichen Methoden und zeigt anhand der staatspolizeilichen Praxis die sich ständig beschleunigende Entgrenzung der Gewalt bis hin zu den Kriegsendphaseverbrechen.

Gerhard Paul, 1951 geboren, ist Professor für Geschichte und ihre Didaktik an der Europa-Universität Flensburg. Zu seinen Arbeitsschwerpunkten gehören die NS-Täter-forschung sowie die Medialität und Visualität der Geschichte. Er hat zahlreiche Publikationen zur Gestapo vorgelegt, darunter die mit Klaus-Michael Mallmann herausgegebenen Bände Die Gestapo – Mythos und Realität (1995) und Die Gestapo im Zweiten Weltkrieg. „Heimatfront” und besetztes Europa (2000) sowie den Aufsatz Das Gestaposystem. Struktur und Dynamik einer Weltanschauungsexekutive (Katalogband zur Ausstellung „Topographie des Terrors”, 2010). Zuletzt erschien BilderMACHT. Studien zur Visual History des 20. und 21. Jahrhunderts (2013).

Michael Wildt, 1954 geboren, ist Professor für Deutsche Geschichte im 20. Jahrhundert mit Schwerpunkt im Nationalsozialismus an der Humboldt-Universität zu Berlin. Er hat zahlreiche Veröffentlichungen zum nationalsozialistischen Terror vorgelegt, darunter Generation des Unbedingten. Das Führungskorps des Reichssicherheitshauptamts (2002, durchges. und akt. Neuausgabe 2008) sowie den Aufsatz Polizei der Volksgemeinschaft – Terror und Verfolgung im Deutschen Reich 19331945 (Katalogband zur Ausstellung „Topographie des Terrors”, 2010).