Dienstag, 10. Mai 2016 19:00 Uhr

Faschismus und ukrainischer Nationalismus 1918–1950

Vortrag: Dr. Grzegorz Rossoliński-Liebe, Berlin
Moderation: Prof. Dr. Peter Steinbach, Berlin

Topographie des Terrors, Auditorium
Niederkirchnerstraße 8, Berlin-Kreuzberg
Eintritt frei

Im Rahmen der Vortragsreihe Faschismus in Europa 1918–1945

(Gemeinsam mit Prof. Dr. Arnd Bauerkämper, Friedrich-Meinecke-Institut, Freie Universität Berlin)

Nach dem Ersten Weltkrieg gehörte die Westukraine (Wolhynien und Ostgalizien) zum wiedererstandenen polnischen Staat. Um einen ukrainischen Staat zu erkämpfen, wurde 1929 die Organisation Ukrainischer Nationalisten (OUN) gegründet. Sie setzte den gegen den polnischen Staat gerichteten Terror der 1920 in Prag gegründeten Ukrainischen Militärorganisation fort. Die OUN entwickelte sich zu einer Massenbewegung, die eine eigene Version des ukrainischen Faschismus hervorbrachte.
Im Zweiten Weltkrieg beteiligten sich ukrainische Nationalisten an den Pogromen vom Sommer 1941 und als Polizisten am weiteren Verlauf des Holocaust. Die im Frühjahr 1943 von der OUN gegründete Ukrainische Aufständische Armee (UPA) führte gegen die polnische Bevölkerung in Wolhynien und Ostgalizien eine „ethnische Säuberung” durch und ermordete Juden, die aus den Ghettos und Arbeitslagern geflohen waren. Nachdem die deutschen Truppen im Sommer 1944 die Westukraine verlassen hatten, setzte die UPA den Kampf gegen die Sowjetunion bis in die späten 1940er Jahre fort. Im Laufe dieses Konflikts wurden Tausende ukrainischer Zivilisten von beiden Seiten ermordet.
In seinem Vortrag analysiert Grzegorz Rossoliński-Liebe die Entwicklung und Aktivitäten der OUN und diskutiert sie im Kontext des Faschismus in Ostmitteleuropa.

Grzegorz Rossoliński-Liebe, 1979 geboren, ist Historiker und lebt in Berlin. Er arbeitet am Friedrich-Meinecke-Institut der Freien Universität Berlin, wo er zur Zeit als Fellow der Jewish Claims Conference die deutsch-polnische Kollaboration im Zweiten Weltkrieg erforscht. Seine Dissertation über Stepan Bandera: The Life and Afterlife of a Ukrainian Nationalist: Fascism, Genocide and Cult erschien 2014.

Peter Steinbach, 1948 geboren, ist Professor i.R. für Neuere und Neueste Ge-schichte an der Universität Mannheim, Wissenschaftlicher Leiter der Gedenkstätte Deutscher Widerstand und Vorsitzender des Internationalen Beirats der Stiftung Topographie des Terrors.