Dienstag, 11. November 2014 19:00 Uhr

Familien als Mittäter. Die gesellschaftliche Dimension der „Euthanasieʺ-Morde 1939–1945

Vortrag: Dr. Götz Aly, Berlin
Moderation: Prof. Dr. Andreas Nachama, Berlin

Topographie des Terrors, Auditorium
Niederkirchnerstraße 8, Berlin-Kreuzberg
Eintritt frei

(Gemeinsam mit der Stiftung Denkmal der ermordeten Juden Europas)

Im Rahmen der Reihe Patientenmorde 1933–1945. Die NS-„Euthanasie”-Zentrale in der Tiergartenstraße 4

Die an den Morden der sogenannten Aktion T4 Beteiligten beschönigten das Verbrechen als Erlösung, Gnadentod, Lebensunterbrechung, Euthanasie oder Sterbehilfe. Nicht wenige Angehörige fühlten sich nach dem stillen, halb geheimen Verschwinden ihrer hilfsbedürftigen Nächsten erleichtert – der Staat hatte eine Lebenslast, eine schwere Sorge von ihnen genommen. Die meisten Familien schwiegen hernach; viele schämten sich, die Namen der Opfer zu nennen. Erst heute, nach 70 Jahren, löst sich der Bann. Langsam kehrt die Erinnerung an jene Vergessene zurück, die sterben mussten, weil sie als verrückt, lästig oder peinlich galten, weil sie unnormal, chronisch krank, gemeingefährlich, arbeitsunfähig oder pflegebedürftig waren, weil sie ihre Familien mit dem Makel „erbkrank” belasteten.

Götz Aly, 1947 geboren, Historiker und Journalist, beschäftigt sich seit mehr als 30 Jahren mit dem Thema „Medizinverbrechen der NS-Zeit”. Er ist u. a. Autor der 1987 präsentierten Ausstellung „Aktion T4. 1939–1945” und gemeinsam mit Klaus Hartung Autor der Bodenplatte vor der Berliner Philharmonie, die seit 1989 an die Opfer der NS-„Euthanasie”-Morde erinnert. 2013 legte er sein Buch Die Belasteten. „Euthanasie” 1939–1945. Eine Gesellschaftsgeschichte vor. Seine Bücher erscheinen in vielen Sprachen. Zu seinen neueren Veröffentlichungen gehören Hitlers Volksstaat. Raub, Rassenkrieg und nationaler Sozialismus (2005), Warum die Deutschen? Warum die Juden? Gleichheit, Neid und Rassenhass 1800–1933 (2011) und Eine von so vielen. Das kurze Leben der Marion Samuel 1931–1943 (2011). Götz Aly wurde mit dem Heinrich-Mann-Preis, dem Marion-Samuel-Preis und dem Ludwig-Börne-Preis ausgezeichnet.

Andreas Nachama ist Direktor der Stiftung Topographie des Terrors.