Dienstag, 4. Februar 2014 19:00 Uhr

Experten der Vernichtung. Das T4-Reinhardt-Netzwerk in den Lagern Belzec, Sobibor und Treblinka

Die Autorin Dr. Sara Berger im Gespräch mit Prof. Dr. Michael Wildt

Topographie des Terrors, Auditorium
Niederkirchnerstraße 8, Berlin-Kreuzberg
Eintritt frei

(In Kooperation mit dem Institut für Geschichtswissenschaften der Humboldt-Universität zu Berlin)

In den nationalsozialistischen Vernichtungslagern Belzec, Sobibor und Treblinka wurden zwischen 1942 und 1943 mehr als eineinhalb Millionen Menschen ermordet. Die größte Aktion des systematischen Völkermords an den Juden, deren Kern die drei Lager im „Generalgouvernement” bildeten, wurde als „Aktion Reinhardt” bezeichnet.
In ihrem Buch Experten der Vernichtung. Das T4-Reinhardt-Netzwerk in den Lagern Belzec, Sobibor und Treblinka (2013) rekonstruiert Sara Berger die Geschichte der Vernichtungslager. Im Mittelpunkt ihrer Analyse steht das Kollektiv der Täter: Fast alle der etwa 120 Deutschen und Österreicher, die im Rahmen der „Aktion Reinhardt” als Personal der Leitungsmannschaften in den drei Lagern eingesetzt waren, hatten zuvor als Personal der nationalsozialistischen „Euthanasie”-Einrichtungen und der Berliner T4-Zentrale Erfahrungen mit der massenhaften Ermordung von Menschen gemacht. Sara Berger beschreibt die Herkunft der Männer, fragt nach Handlungsspielräumen und untersucht die Bedeutung von Faktoren wie Gehorsamsbereitschaft, Gruppendruck und kooperative Verhaltensweisen für deren mörderische Taten.

Sara Berger, 1978 geboren, ist wissenschaftliche Mitarbeiterin der Fondazione Museo della Shoah in Rom sowie im Editionsprojekt „Die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland 1933–1945” (Teilbereich Italien) – ein Projekt des Bundesarchivs, des Instituts für Zeitgeschichte München-Berlin, des Lehrstuhls für Neuere und Neueste Geschichte der Universität Freiburg und des Lehrstuhls für die Geschichte Ostmitteleuropas am Osteuropa-Institut der Freien Universität Berlin. Berger absolvierte ein Studium der Geschichte, Italienischen Literaturwissenschaft und Sozialpsychologie an der Ruhr-Universität Bochum und der Università degli Studi di Genova. Mit der vorliegenden Studie promovierte sie an der Ruhr-Universität Bochum. Die Arbeit ist in der Reihe Studien zur Gewaltgeschichte des 20. Jahrhunderts, ausgewählt von Jörg Baberowski, Bernd Greiner und Michael Wildt, erschienen und wurde mit dem Wilhelm-Hollenberg-Preis ausgezeichnet.

Michael Wildt, 1954 geboren, ist Professor für Deutsche Geschichte im 20. Jahrhundert mit Schwerpunkt im Nationalsozialismus an der Humboldt-Universität zu Berlin. Er hat zahlreiche Studien zur Geschichte der Gewalt und zum nationalsozialistischen Terror publiziert.