Donnerstag, 19. Januar 2017 10:15 Uhr

Exodus. Die Juden Europas nach dem Holocaust

Internationale Konferenz

Dokumentationszentrum Topographie des Terrors
Niederkirchnerstraße 8
10963 Berlin-Kreuzberg

Anmeldung
veranstaltungen(at)topographie.de
Telefon 030 25450913

(Gemeinsam mit dem Institut für Vorurteils- und Konfliktforschung e.V., dem Bundesinstitut für Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa, Oldenburg, und der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas)

10.15 Uhr
Begrüßung
Prof. Dr. Andreas Nachama, Direktor der Stiftung Topographie des Terrors, Berlin
Einführung
Prof. Dr. Wolfgang Benz, Institut für Vorurteils- und Konfliktforschung e.V., Berlin

I. ENTWURZELUNG UND NEUBEGINN: DISPLACED PERSONS
Leitung: Prof. Dr. Andreas Nachama

10.30 Uhr
Flucht nach Berlin
Dr. Angelika Königseder, Institut für Vorurteils- und Konfliktforschung e.V., Berlin

11.00 Uhr
Befristeter Aufenthalt. Lübeck als Transitstation und Ort jüdischen Neuanfangs
Dr. Sigrun Jochims-Bozic, Kiel

11.30 Uhr
Flucht durch Österreich: Stationen der illegalen Einwanderung nach Palästina
Univ.-Prof. Dr. Thomas Albrich, Institut für Zeitgeschichte, Universität Innsbruck

12.00 – 12.15 Uhr Pause

II. NACH DEM EXIL
Leitung: Uwe Neumärker, Direktor der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas, Berlin

12.15 Uhr
Wo weiterleben? Das Ende des jüdischen Exils in Shanghai
Dr. Miriam Bistrovic, Leo Baeck Institut, New York

12.45 Uhr
Deutsche Juden in den USA
Dr. Juliane Wetzel, Zentrum für Antisemitismusforschung der Technischen Universität Berlin

13.15 – 14.30 Uhr Mittagspause

14.30 Uhr
Deutsche Juden in Lateinamerika
Dr. Patrik von zur Mühlen, Forschungsinstitut der Friedrich-Ebert-Stiftung, Bonn

15.00 Uhr
Der jüdische Exodus nach Australien
Prof. Dr. Konrad Kwiet, Sydney Jewish Museum, Australien

III. DIE ANDERE SEITE: VERTREIBUNG ALS KOLLEKTIVES SCHICKSAL
Leitung: Dr. Dr. Gerald Volkmer, Bundesinstitut für Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa, Oldenburg

15.30 Uhr
Zweimal vertrieben auf der Suche nach Heimat: Deutsche aus der Bukowina
Dr. Markus Bauer, Berlin

16.00 – 16.15 Uhr Pause

16.15 Uhr
Deutsche und Juden in Czernowitz
Dr. Markus Winkler, Institut für deutsche Kultur und Geschichte Südosteuropas, Ludwig-Maximilians-Universität München

16.45 Uhr
Deutsche und Juden in Siebenbürgen
Prof. Dr. Ladislau Gyémánt, Babeş-Bolyai-Universität Cluj-Napoca, Rumänien

IV. BITTERE BILANZ

17.15 Uhr
Christliche Barmherzigkeit für Judenmörder: Flucht der Täter nach Südamerika und die Begegnung mit den Juden des Exils
Prof. Dr. Wolfgang Benz

18.15 Uhr Ende

Der Begriff „Exodus” steht hier für das Ende einer historischen Epoche: die Entwurzelung und Heimatlosigkeit der Juden in Europa nach dem Holocaust. Fluchtbewegungen, Versuche des Neubeginns in Übersee, die Erfahrung des Exils sind Aspekte des komplexen Themas. Der Flucht nach Shanghai folgte dort kein dauerhafter Aufenthalt, das Zusammentreffen von „Opfern” und „Tätern” in Südamerika – in Gestalt der jüdischen Exilgemeinden unter Präsenz ehemals hochrangiger Funktionsträger des NS-Regimes in Argentinien oder Chile – gehören wie die DP-Lager in Westdeutschland zu den Determinanten jüdischer Nachkriegsexistenz. In den Blick zu nehmen ist schließlich auch die kirchliche Fluchthilfe für NS-Täter („Rattenlinie”).

Zum Vergleich mit dem jüdischen Schicksal werden drei kulturelle Gemeinschaften exemplarisch betrachtet. Die Bukowinadeutschen, die während der NS-Herrschaft ihre Heimat verlassen mussten, damit annektierte Gebiete wie das „Wartheland” dem Prozess der „Eindeutschung” unterzogen werden konnten, wurden dort zum zweiten Mal vertrieben und mussten sich im besetzten Nachkriegsdeutschland neue Existenzen aufbauen. Im gleichen Zusammenhang ist die Identität von Deutschen und Juden nach dem Krieg in Czernowitz bzw. in Siebenbürgen von Interesse. Die Erfahrungen von Nichtjuden als kultureller und ethnischer Gemeinschaft unter existentiell-katastrophalen Bedingungen, die vergleichend betrachtet werden, schärfen den Blick für die Dimension des Menschheitsverbrechens, ohne zu relativieren.

18. Januar: Szenische Lesung

Flyer (PDF)