Montag, 11. September 2017 19:00 Uhr

Europa gegen die Juden 1880–1945

Buchpräsentation und Gespräch mit Dr. Götz Aly und Prof. Dr. Andreas Nachama (beide Berlin)

Topographie des Terrors, Auditorium
Niederkirchnerstraße 8, Berlin-Kreuzberg
Eintritt frei

In seiner Gesamtdarstellung Europa gegen die Juden 18801945 (2016) zeigt Götz Aly, dass der Holocaust nicht allein aus der deutschen Geschichte heraus erklärbar ist. Sowohl in West- als auch in Osteuropa hatten Antisemitismus und Judenfeindschaft seit 1880 sprunghaft zugenommen – angetrieben von Nationalismus und sozialen Krisen. Götz Aly stellt den modernen Antisemitismus als grenzüberschreitendes Phänomen dar. Ohne die Schuld der deutschen Täter zu mindern, zeigt er, wie Rivalität und Neid, Diskriminierung und Pogrome seit Ende des 19. Jahrhunderts vielerorts dazu beigetragen haben, den Boden für Deportationen und Völkermord zu bereiten. Während des Zweiten Weltkriegs ermordeten die nationalsozialistischen Besatzer schließlich etwa sechs Millionen Juden, die meisten in Osteuropa, teils unter Mithilfe von lokalen Polizeikräften und Behörden.

Götz Aly, 1947 geboren, Historiker und Journalist, arbeitete für die „taz”, die „Berliner Zeitung” und als Gastprofessor. Er ist Autor zahlreicher Bücher, die in vielen Sprachen erscheinen. Zu seinen neueren Veröffentlichungen gehören Warum die Deutschen? Warum die Juden? Gleichheit, Neid und Rassenhass 1800–1933 (2011), Die Belasteten. „Euthanasie” 1939–1945. Eine Gesellschaftsgeschichte (2013), Volk ohne Mitte. Die Deutschen zwischen Freiheitsangst und Kollektivismus (2015) und „Endlösung”. Völkerverschiebung und der Mord an den europäischen Juden (1995, überarb. Neuauflage 2017). Götz Aly wurde mit dem Heinrich-Mann-Preis, dem Marion-Samuel-Preis und dem Ludwig-Börne-Preis ausgezeichnet.

Andreas Nachama ist Direktor der Stiftung Topographie des Terrors.