Dienstag, 3. Februar 2015 19:00 Uhr

Ethnische „Säuberungen” im Europa des 20. Jahrhunderts. Ursachen und Folgen

Vortrag: Prof. Dr. Michael Schwartz, Berlin
Moderation: Prof. Dr. Andreas Nachama, Berlin

Topographie des Terrors
Niederkirchnerstraße 8, 10963 Berlin
Eintritt frei

Im Rahmen der Reihe Umsiedlung, Deportation, Vertreitung. Ethnische „Säuberungen” im 20. Jahrhundert – neue Bedrohung für Europa?

(Gemeinsam mit der Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung)

Ethnische „Säuberungen” sind die dunkle Kehrseite unserer modernen Nationalstaatsbildung. Bereits im 19. Jahrhundert entwickelten sich der Balkan und die außereuropäischen Kolonien zu Orten dieser Gewaltpolitik. Ab 1914 kam es zu Massendeportationen im Russischen und im Osmanischen Reich, in letzterem sogar zu einem Völkermord (Armenier). Der griechisch-türkische „Bevölkerungstransfer” von Lausanne 1923 wurde zum Politikmodell, das im Zweiten Weltkrieg die Vertreibung der Deutschen legitimierte – und die politischen Alternativen, Vielvölkerstaat oder Minderheitenschutz, zeitweilig zurückdrängte. Ethnische „Säuberungen” im 20. Jahrhundert hatten unterschiedlichste Opfergruppen in bis dahin unvorstellbaren Größenordnungen. Der NS-Genozid an sechs Millionen Juden war der schlimmste Fall eines Völkermords; die Vertreibung und Flucht von über zwölf Millionen Deutschen die größte Zwangsmigration. Seither werden mit ethnischen „Säuberungen” trotz aller Interventionen der Weltgemeinschaft immer wieder Fakten der Zwangsmigration gesetzt.

Einladung (PDF)