Dienstag, 25. Februar 2014 19:00 Uhr

Erich Seeberg und die Berliner Theologische Fakultät 1933–1945

Vortrag: Prof. Dr. Thomas Kaufmann
Moderation: Prof. Dr. Dres. h.c. Christoph Markschies

Topographie des Terrors, Auditorium
Niederkirchnerstraße 8, Berlin Kreuzberg
Eintritt frei

(Im Rahmen der Vortragsreihe Täter und Komplizen in Theologie und Kirchen 1933–1945)

(In Kooperation mit der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz und Prof. Dr. Manfred Gailus)

Erich Seeberg (1888–1945), ab 1927 Professor für Kirchengeschichte an der Berliner Theologischen Fakultät, war in der NS-Zeit zeitweilig einer der einflussreichsten protestantischen Universitätstheologen. Als überzeugter Nationalsozialist trat er am 1. Mai 1933 in die NSDAP ein, war Mitglied des NS-Dozentenbundes und Lektor in der „parteiamtlichen Prüfungskommission zum Schutze des nationalsozialistischen Schrifttums”. Seine Positionen waren entscheidend durch seinen Vater geprägt, den deutschbaltischen Theologen Reinhold Seeberg (1859–1935), der 1898 als Gegengewicht zu dem liberalen Theologen Adolf von Harnack nach Berlin berufen worden war. Erich Seeberg engagierte sich für eine Verbindung zwischen Christentum und nationalsozialistischer Weltanschauung, setzte auf Kooperation mit NS-Ministerien und Parteiinstanzen und bemühte sich im Rahmen der Berufungspolitik, seine Schüler durchzusetzen und den Einfluss der Bekennenden Kirche zurückzudrängen.
In seinem Vortrag gibt Thomas Kaufmann einen Überblick über den Werdegang Erich Seebergs und analysiert seine kirchen- und theologiepolitischen Aktivitäten und Konzepte vor dem Hintergrund der allgemeinen Entwicklung der NS-Kirchen- und Wissenschaftspolitik.

Thomas Kaufmann, 1962 geboren, ist Professor für Kirchengeschichte an der Universität Göttingen. Er ist Erster Vizepräsident und Vorsitzender der Philologisch-Historischen Klasse der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen. Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehört die Geschichte der Reformation. Der Theologe hat zahlreiche Veröffentlichungen vorgelegt, darunter der Aufsatz „Anpassung” als historiographisches Konzept und als theologiepolitisches Programm: Der Kirchenhistoriker Erich Seeberg in der Zeit der Weimarer Republik und des „Dritten Reiches”, in: ders./Harry Oelke (Hg.), Evangelische Kirchenhistoriker im „Dritten Reich” (2002).

Christoph Markschies, 1962 geboren, ist Professor für Ältere Kirchengeschichte an der Humboldt-Universität zu Berlin und war von 2006 bis 2010 deren Präsident. Seit 2012 ist er Vizepräsident der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften. Zu seinen Forschungsschwerpunkten zählt die Geschichte des antiken Christentums. 2001 wurde er mit dem Leibniz-Preis ausgezeichnet.