Dienstag, 1. Juli 2014 19:00 Uhr

Entschädigung und Wiedergutmachung für Opfer der NS-Zwangssterilisation und der NS-„Euthanasie” in der Bundesrepublik Deutschland

Podiumsgespräch: Margret Hamm und Prof. Dr. Dr. Klaus Dörner
Moderation: Prof. Dr. Wolfgang Maier

Topographie des Terrors, Auditorium
Niederkirchnerstraße 8, Berlin-Kreuzberg
Eintritt frei

Begleitprogramm zur Ausstellung erfasst, verfolgt, vernichtet. Kranke und behinderte Menschen im Nationalsozialismus

(Gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde und der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas)

In der NS-Zeit zwangssterilisierte Menschen, Überlebende der „Euthanasie”-Mordaktionen und Angehörige ermordeter Patienten fanden nach 1945 wenig Unterstützung. Bis heute werden die Betroffenen nach Definition des in den 1950er Jahren verabschiedeten und mehrfach ergänzten Bundesentschädigungsgesetzes nicht als Opfer der NS-Verfolgung anerkannt. Erst seit den 1980er Jahren können Zwangssterilisierte Einmalzahlungen und unter bestimmten Bedingungen auch laufende Beihilfen erhalten. Das 1933 erlassene „Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses” wurde erst 2007 vom Bundestag als nationalsozialistisches Unrecht geächtet.
Im Podiumsgespräch zeichnen Margret Hamm und Klaus Dörner diese Entwicklungen nach, fragen nach den Hintergründen und informieren auch über die Bemühungen der Betroffenen in der Nachkriegszeit, als NS-Verfolgte anerkannt zu werden.

Margret Hamm, 1945 geboren, ist Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Bund der „Euthanasie”-Geschädigten und Zwangssterilisierten (BEZ). Sie absolvierte ein Lehramtsstudium in den Fächern Geschichte, Deutsch und Wirtschaftslehre. 2005 erschien der von ihr herausgegebene Band Lebensunwert zerstörte Leben. Zwangssterilisation und „Euthanasie” (3. Aufl. 2008).

Klaus Dörner, 1933 geboren, war langjähriger ärztlicher Leiter der Westfälischen Klinik in Gütersloh für Psychiatrie, Psychosomatik und Neurologie und lehrte Psychiatrie an der Universität Witten/Herdecke. Er hat zahlreiche Veröffentlichungen zur Geschichte der NS-Psychiatrie und der NS-„Euthanasie” vorgelegt. Schon 1967 veröffentlichte er eine Pionierstudie über Nationalsozialismus und Lebensvernichtung. Zu seinen aktuellen Publikationen gehört der Aufsatz Die soziale Frage und der Diskurs um die „Euthanasie” (2010).

Wolfgang Maier, 1949 geboren, ist Direktor der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Universitätsklinikum Bonn, Präsident der DGPPN und Sprecher des Kompetenznetzes Degenerative Demenzen (BMBF). Er ist Mitglied zahlreicher wissenschaftlicher Akademien, u.a. Nationale Akademie Leopoldina und Berlin-Brandenburgische Akademie.