Dienstag, 7. November 2017 19:00 Uhr

„Ein Drittes Reich, wie ich es auffasse” – Politik, Gesellschaft und privates Leben in Tagebüchern 1933–1939

Der Autor Dr. Janosch Steuwer, Zürich, im Gespräch mit Prof. Dr. Michael Wildt, Berlin

Topographie des Terrors, Auditorium
Niederkirchnerstraße 8, 10963 Berlin-Kreuzberg
Eintritt frei

(Gemeinsam mit dem Institut für Geschichtswissenschaften der Humboldt-Universität zu Berlin)

Mit dem Beginn der nationalsozialistischen Diktatur erlebte Deutschland nicht nur eine tiefe politische Zäsur. Auch das private Leben der Deutschen veränderte sich grundlegend. Mit weitreichenden Vorstellungen davon, wie der Einzelne von nun an denken und handeln sollte, drängte das NS-Regime die Zeitgenossen, sich an seiner weltanschaulichen Umgestaltung der deutschen Gesellschaft zu beteiligen. Wie reagierten die Deutschen hierauf?
In seinem Buch „Ein Drittes Reich, wie ich es auffasse”. Politik, Gesellschaft und privates Leben in Tagebüchern 1933–1939 (2017) zeigt Janosch Steuwer anhand von 140 Tagebüchern, wie Durchschnittsbürger nach 1933 damit begannen, sich im Nachdenken über sich selbst und die Welt, in der sie nun lebten, zu den neuen Machthabern zu positionieren. Das spannungsreiche Bemühen der Menschen, sich einzufügen und zugleich bestehende Meinungen und Selbstvorstellungen zu bewahren, führte zu einer engen Verflechtung von Privatem und Politischem, die Steuwer als zentrales Charakteristikum der nationalsozialistischen Diktatur deutet.

Janosch Steuwer, 1983 geboren, ist Oberassistent an der Universität Zürich. Er absolvierte ein Studium der Geschichte und Politikwissenschaft. Zu seinen Veröffentlichungen gehört der Band Selbstreflexionen und Weltdeutungen. Tagebücher in der Geschichte und der Geschichtsschreibung des 20. Jahrhunderts (2015, hg. mit Rüdiger Graf). Mit der vorliegenden Studie wurde er an der Ruhr-Universität Bochum promoviert.

Michael Wildt, 1954 geboren, ist Professor für Deutsche Geschichte im 20. Jahrhundert mit Schwerpunkt im Nationalsozialismus an der Humboldt-Universität zu Berlin. Er hat zahlreiche Veröffentlichungen vorgelegt, darunter Volksgemeinschaft. Neue Forschungen zur Gesellschaft des Nationalsozialismus (2009, hg. mit Frank Bajohr).