Dienstag, 24. November 2015 19:00 Uhr

Die Verfolgung und Vernichtung der sephardischen Juden Thessalonikis

Vortrag: Prof. Dr. Klaus Kastner, Nürnberg
Moderation:  Prof. Dr. Andreas Nachama, Berlin

Topographie des Terrors, Auditorium
Niederkirchnerstraße 8, Berlin-Kreuzberg
Eintritt frei

Im Rahmen der Vortragsreihe Griechenland unter deutscher Besatzung 1941–1944

(Gemeinsam mit dem Centrum Modernes Griechenland der Freien Universität Berlin)

Nach ihrer Vertreibung aus Spanien und Portugal siedelten sich ab Ende des
15. Jahrhunderts im osmanischen Reich zahlreiche sephardische Juden an. In den folgenden Jahrhunderten wuchs und blühte die jüdische Gemeinschaft in der Stadt Thessaloniki auf, die schon bald als „sephardische Metropole” und als „Jerusalem des Balkans” galt. Um 1900 bildeten die Juden hier die Mehrheit der städtischen Bevölkerung. 1912 wurde Thessaloniki von der griechischen Armee eingenommen.
Während des Zweiten Weltkriegs waren die Juden nach der deutschen Okkupation Griechenlands zunehmend Repressalien ausgesetzt, zunächst von Seiten der deutschen Militärverwaltung, später auch seitens der SS. Zunächst litten die jüdischen Einwohner Thessalonikis unter der ihnen auferlegten Zwangsarbeit und unter Zwangsabgaben. Im Februar 1943 begann die Deportation von etwa 50 000 jüdischen Bürgern der Stadt und ihrer Nachbargemeinden zumeist in das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau. Die Mehrzahl der Deportierten überlebte nicht.
In seinem Vortrag rekonstruiert Klaus Kastner die Etappen der Verfolgung der salonikischen Juden und nimmt die verschiedenen an der Verfolgungspraxis beteiligten Akteure in den Blick.

Klaus Kastner, 1936 geboren, langjähriger Staatsanwalt und Richter, ist Präsident des Landgerichts Nürnberg-Fürth a.D. und Honorarprofessor an der Universität Erlangen-Nürnberg für Vertragsrecht und Juristische Zeitgeschichte. Er hat zahlreiche Beiträge zu Themen aus Politik und Recht im 20. Jahrhundert, insbesondere zur Geschichte der „Nürnberger Prozesse”, sowie aus dem Grenzbereich zwischen Literatur und Recht publiziert. Zu seinen neueren Veröffentlichungen gehören Von den Siegern zur Rechenschaft gezogen. Die Nürnberger Prozesse (2001), Die Völker klagen an. Der Nürnberger Prozess 1945–1946 (2005) sowie der Aufsatz „Südost-Generäle“ vor dem US-Militärtribunal (1947/48) und deutsche Kriegsverbrechen in Südosteuropa 1941–1944 (2013).

Andreas Nachama ist Direktor der Stiftung Topographie des Terrors.