Dienstag, 8. November 2016 19:00 Uhr

Die Nürnberger „Nachfolgeprozesse”: Der Prozess gegen Erhard Milch (Fall 2)

Vortragsreihe Vor 70 Jahren. Die Nürnberger „Nachfolgeprozesse” 1946–1949

Der Prozess gegen Erhard Milch (Fall 2)
13. November 1946 – 17. April 1947

Vortrag: Dr. Lutz Budraß, Bochum
Moderation: Dr. Peter Jochen Winters, Berlin

Topographie des Terrors Auditorium
Niederkirchnerstraße 8, Berlin-Kreuzberg
Eintritt frei

(Gemeinsam mit der Hamburger Edition)

Der Prozess gegen den Generalfeldmarschall der Luftwaffe Erhard Milch war der kürzeste der zwölf Nürnberger „Nachfolgeprozesse”. Die Anklageerhebung erfolgte am 13. November 1946, das Gerichtsverfahren fand vom 2. Januar bis 17. April 1947 vor dem US-amerikanischen Militärgericht II statt. Erhard Milch (1892–1972), von 1933 bis 1944 Staatssekretär im Reichsluftfahrtministerium unter Hermann Göring, wurde wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit angeklagt, insbesondere wegen des Einsatzes von Zwangsarbeitern. Das Gericht verurteilte ihn zu lebenslanger Haft, die 1951 auf 15 Jahre reduziert wurde. 1954 wurde Milch vorzeitig aus der Haft entlassen.
In seinem Vortrag beschreibt Lutz Budraß die Vorgeschichte und den Prozess gegen Erhard Milch und erörtert, warum dessen Bedeutung im NS-System von den Alliierten unterschätzt worden ist. Er legt dar, dass weder die Rolle Milchs in der Wehrmacht noch seine Beteiligung an den nationalsozialistischen Verbrechen – als Initiator und wichtigster institutioneller Profiteur des Einsatzes von KZ-Häftlingen in der deutschen Industrie – während des Prozesses auch nur annähernd festgestellt worden sind.

Lutz Budraß, 1961 geboren, ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Historischen Institut der Ruhr-Universität Bochum. Seine Arbeitsschwerpunkte sind Luftfahrt-, Rüstungs-, Unternehmens- und Wirtschaftsgeschichte des 20. Jahrhunderts. Zu seinen aktuellen Veröffentlichungen gehört Adler und Kranich. Die Lufthansa und ihre Geschichte 19261955 (2016). Für seine Dissertation Flugzeugindustrie und Luftrüstung in Deutschland 1918–1945  (1998, 2. Aufl. 2007) erhielt Lutz Budraß den Werner-Hahlweg-Preis für Militärgeschichte. In dem 2013 von der Hamburger Edition publizierten Band „NMT. Die Nürnberger Militärtribunale zwischen Geschichte, Gerechtigkeit und Rechtschöpfung” (hg. v. Kim C. Priemel und Alexa Stiller) ist er mit dem Aufsatz Juristen sind keine Historiker. Der Prozess gegen Erhard Milch vertreten.

Peter Jochen Winters, 1934 geboren, war langjähriger Redakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Für seine Berichterstattung über den Auschwitz-Prozess erhielt er 1965 den „Deutschen Journalistenpreis”. Von 1992 bis 2006 war er Mitglied im Arbeitsausschuss der Stiftung Topographie des Terrors.