Dienstag, 9. Mai 2017 19:00 Uhr

Die Nürnberger „Nachfolgeprozesse”: Der Prozess gegen die „Südost-Generäle” (Fall 7)

Vortragsreihe Vor 70 Jahren. Die Nürnberger „Nachfolgeprozesse” 1946–1949

Der Prozess gegen die „Südost-Generäle” (Fall 7, „Geiselmord-Prozess”)
10. Mai 1947 – 19. Februar 1948

Vortrag: Florian Dierl, M.A., Nürnberg
Moderation: Dr. Peter Jochen Winters, Berlin

Topographie des Terrors Auditorium
Niederkirchnerstraße 8, Berlin-Kreuzberg
Eintritt frei

(Gemeinsam mit der Hamburger Edition)

Im Prozess gegen die „Südost-Generäle” standen zehn Angeklagte aus der militärischen Elite des „Dritten Reichs” wegen der Beteiligung an Massenverbrechen vor dem US-amerikanischen Militärgerichtshof V. Angeklagt waren sie des Mordes an Tausenden von Zivilisten in Griechenland, Jugoslawien und Albanien, vor allem in Verbindung mit Geiselerschießungen und Repressalien. Zu verantworten hatten sie sich auch wegen der Ermordung von Kriegsgefangenen und wegen Gräueltaten im Zusammenhang mit rassistischer Verfolgung, insbesondere der Deportation der serbischen Zivilbevölkerung in Konzentrationslager und zur Zwangsarbeit. Das Verfahren endete mit zwei lebenslänglichen Gefängnisstrafen, sechs Haftstrafen zwischen sieben und 20 Jahren sowie zwei Freisprüchen.
In seinem Vortrag gibt Florian Dierl einen Überblick über den Verlauf und das Urteil des Prozesses. Er erörtert, warum das Gericht in der Frage der völkerrechtlichen Beurteilung des Partisanenkriegs einen defensiven Kurs verfolgte und diskutiert die Rezeption des Prozesses auch im politischen Kontext des Kalten Krieges.

Florian Dierl, 1969 geboren, ist Historiker und Leiter der Abteilung „Erinnerungskultur und Zeitgeschichte” der Museen der Stadt Nürnberg sowie Leiter des Dokumentationszentrums Reichsparteitagsgelände in Nürnberg. In dem 2013 von der Hamburger Edition publizierten Band „NMT. Die Nürnberger Militärtribunale zwischen Geschichte, Gerechtigkeit und Rechtschöpfung” (hg. v. Kim C. Priemel und Alexa Stiller) hat er gemeinsam mit Alexa Stiller den Aufsatz Von Generälen und Partisanen: Die Verbrechen der Wehrmacht in Südosteuropa und der „Geiselmord”-Prozess im Kontext des Kalten Krieges verfasst.

Peter Jochen Winters, 1934 geboren, war langjähriger Redakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Für seine Berichterstattung über den Auschwitz-Prozess erhielt er 1965 den „Deutschen Journalistenpreis”. Von 1992 bis 2006 war er Mitglied im Arbeitsausschuss der Stiftung Topographie des Terrors.