Dienstag, 27. Juni 2017 19:00 Uhr

Die Nürnberger „Nachfolgeprozesse”: Der Prozess gegen das Rasse- und Siedlungshauptamt der SS (Fall 8)

Der Prozess gegen das Rasse- und Siedlungshauptamt der SS (Fall 8)
1. Juli 1947 – 10. März 1948

Vortrag: Prof. Dr. Isabel Heinemann, Münster
Moderation: Dr. Peter Jochen Winters, Berlin

Vortragsreihe Vor 70 Jahren. Die Nürnberger „Nachfolgeprozesse” 1946–1949

Topographie des Terrors, Auditorium
Niederkirchnerstraße 8, Berlin-Kreuzberg
Eintritt frei

(Gemeinsam mit der Hamburger Edition)

Im Fall 8, dem sogenannten Prozess gegen das Rasse- und Siedlungshauptamt der SS, standen 14 Personen vor dem US-amerikanischen Militärgericht I in Nürnberg. Es handelte sich um ehemals hochrangige Vertreter dreier SS-Hauptämter – des Stabshauptamts Reichskommissar für die Festigung deutschen Volkstums, des Rasse- und Siedlungshauptamts der SS und der Volksdeutschen Mittelstelle – sowie um frühere Angehörige des SS-Vereins „Lebensborn e.V.”. Im Zentrum der Anklage stand die Rassen- und Umsiedlungspolitik der SS während des Zweiten Weltkriegs und deren Versuche einer gewaltsamen volkstumspolitischen Neuordnung der eroberten und annektierten Gebiete vor allem Osteuropas.
In ihrem Vortrag gibt Isabel Heinemann einen Überblick über den Prozessverlauf und die Urteile. Erörtert wird auch die Bedeutung des Verfahrens, nicht zuletzt vor dem Hintergrund, dass die Folgen der von den Nationalsozialisten betriebenen Zwangsvertreibungen und der Massenmorde für viele Menschen im Nachkriegsdeutschland und in den ehemals deutsch besetzten Gebieten Europas, insbesondere in Polen, noch unmittelbar spürbar waren.

Isabel Heinemann, 1971 geboren, ist Inhaberin der Juniorprofessur für Neuere und Neueste Geschichte an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. Zu ihren Veröffentlichungen gehört „Rasse, Siedlung, deutsches Blut”. Das Rasse- und Siedlungshauptamt der SS und die rassenpolitische Neuordnung Europas (2003). In dem 2013 von der Hamburger Edition publizierten Band NMT. Die Nürnberger Militärtribunale zwischen Geschichte, Gerechtigkeit und Rechtschöpfung (hg. v. Kim C. Priemel und Alexa Stiller) ist sie mit dem Aufsatz „Rasse, Lebensraum, Genozid: Die nationalsozialistische Volkstumspolitik im Fokus von Fall 8 der Nürnberger Militärtribunale” vertreten.

Peter Jochen Winters, 1934 geboren, war langjähriger Redakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Für seine Berichterstattung über den Auschwitz-Prozess erhielt er 1965 den „Deutschen Journalistenpreis”. Von 1992 bis 2006 war er Mitglied im Arbeitsausschuss der Stiftung Topographie des Terrors.