Dienstag, 21. November 2017 19:00 Uhr

Die Nürnberger „Nachfolgeprozesse”: Der Prozess gegen das Oberkommando der Wehrmacht (Fall 12)

Der Prozess gegen das Oberkommando der Wehrmacht (Fall 12)
28. November 1947 – 28. Oktober 1948

Vortrag: Dr. Heike Krösche, Gallneukirchen
Moderation: Dr. Claudia Steur, Berlin

Im Rahmen der Vortragsreihe Vor 70 Jahren. Die Nürnberger „Nachfolgeprozesse” 1946–1949

Topographie des Terrors, Auditorium
Niederkirchnerstraße 8, Berlin-Kreuzberg
Eintritt frei

(Gemeinsam mit der Hamburger Edition)

Im Nürnberger „Hauptkriegsverbrecherprozess” vor dem Internationalen Militärgerichtshof 1945/46 hatten fünf hohe Vertreter des deutschen Militärs vor Gericht gestanden. Generalstab und Oberkommando der Wehrmacht (OKW) waren zwar als verbrecherische Organisation angeklagt, aber nicht als solche eingestuft worden. Unter den zwölf „Nachfolgeprozessen” vor US-amerikanischen Militärgerichten in Nürnberg war der OKW-Prozess das dritte Verfahren – nach dem Prozess gegen Erhard Milch, den Generalfeldmarschall der Luftwaffe, und dem Verfahren gegen die „Südost-Generäle” –, in dem die Wehrmacht im Mittelpunkt stand. Gegen die 13 angeklagten Feldmarschälle und Generäle, die insbesondere im Zuge des Angriffskrieges gegen die Sowjetunion und während der Besatzung der osteuropäischen Gebiete für zahlreiche rassistisch wie politisch motivierte Verbrechen an den Zivil­bevölkerungen und den Kriegsgefangenen verantwortlich gewesen waren, wurden vergleichsweise harte Urteile gesprochen.
In ihrem Vortrag beschreibt Heike Krösche den Verlauf und das Urteil des OKW-Prozesses und lenkt den Blick auch auf Hans Laternser, den Leiter des Verteidigungsteams, der wie seine Mandanten von der „sauberen” Kriegführung der Wehrmacht überzeugt war.

Heike Krösche, 1975 geboren, lehrt an der Privaten Pädagogischen Hochschule der Diözese Linz. Sie wurde mit der Studie Zwischen Vergangenheitsdiskurs und Wiederaufbau. Die Reaktion der deutschen Öffentlichkeit auf den Nürnberger Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher 1945/46, den Ulmer Einsatzgruppenprozess und den Sommer-Prozess 1958 an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg promoviert. In dem 2013 von der Hamburger Edition publizierten Band „NMT. Die Nürnberger Militärtribunale zwischen Geschichte, Gerechtigkeit und Rechtschöpfung” (hg. v. Kim C. Priemel und Alexa Stiller) ist sie mit dem Aufsatz Im Zweifel für den Angeklagten? Verteidigungslinien und -motive im OKW-Prozess am Beispiel Hans Laternsers vertreten.

Claudia Steur ist wissenschaftliche Mitarbeiterin der Stiftung Topographie des Terrors.