Dienstag, 5. September 2017 19:00 Uhr

Die Nürnberger „Nachfolgeprozesse”: Der Krupp-Prozess (Fall 10)

Der Krupp-Prozess (Fall 10)
16. August 1947 – 31. Juli 1948

Vortrag: Prof. Dr. Kim Christian Priemel, Oslo
Moderation: Dr. Claudia Steur, Berlin

Im Rahmen der Vortragsreihe Vor 70 Jahren. Die Nürnberger „Nachfolgeprozesse” 1946–1949

Topographie des Terrors, Auditorium
Niederkirchnerstraße 8, Berlin-Kreuzberg
Eintritt frei

(Gemeinsam mit der Hamburger Edition)

Der Krupp-Prozess war der dritte Wirtschaftsprozess unter den zwölf „Nachfolge-Prozessen” vor US-amerikanischen Militärgerichten in Nürnberg. Schon unter Zeitgenossen war er sehr umstritten. Da Gustav Krupp, der bereits im „Nürnberger Hauptkriegsverbrecherprozess” angeklagt war, aus gesundheitlichen Gründen auch für diesen Prozess nicht zur Verfügung stand, wurden sein Sohn Alfried, der die Leitung des Essener Montankonzerns Ende 1943 übernommen hatte, und elf seiner Mitarbeiter vor Gericht gestellt. Die Anklagepunkte I und IV, „Angriffskrieg” und „Verschwörung”, wurden in einem Zwischenentscheid bereits knapp vier Monate vor Verfahrensende gestrichen. Gleichwohl fiel das Urteil im Vergleich zu den beiden anderen Wirtschaftsprozessen deutlich härter aus, da das Gericht weite Teile der Anklage­vorwürfe gegen Plünderung und Zwangsarbeit als erwiesen ansah und den Angeklagten beträchtliche Eigeninitiative zumaß.
In seinem Vortrag beschreibt Kim Christian Priemel den Verlauf des Krupp-Prozesses, analysiert das Urteil und erörtert, warum der Prozess als einer der Eckpfeiler der kompletten Verfahrensserie gelten kann.

Kim Christian Priemel, 1977 geboren, ist Associate Professor am Department of Archaeology, Conservation and History der University of Oslo. Zuvor war er wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Geschichtswissenschaften der Humboldt-Universität zu Berlin und Dilthey-Fellow der Fritz Thyssen Stiftung. Zu seinen Veröffentlichungen zählen Flick. Eine Konzerngeschichte vom Kaiserreich bis zur Bundesrepublik (2007, 2. Aufl. 2008) und The Betrayal. The Nuremberg Trials and German Divergence (2016). In dem von ihm und Alexa Stiller herausgegebenen Band „NMT. Die Nürnberger Militärtribunale zwischen Geschichte, Gerechtigkeit und Rechtschöpfung” (2013, 2. Aufl. 2014, publiziert von der Hamburger Edition) hat er den Aufsatz Tradition und Notstand. Interpretations- und Konfrontationslinien im Fall Krupp verfasst.

Claudia Steur ist Wissenschaftliche Mitarbeiterin der Stiftung Topographie des Terrors.