Dienstag, 10. Januar 2017 19:00 Uhr

Die Nürnberger „Nachfolgeprozesse”: Der Juristen-Prozess (Fall 3)

Vortragsreihe Vor 70 Jahren. Die Nürnberger „Nachfolgeprozesse” 1946–1949

Der Juristen-Prozess (Fall 3)
4. Januar 1947 – 4. Dezember 1947

Vortrag: Prof. Dr. Klaus Kastner, Nürnberg
Moderation: Dr. Peter Jochen Winters, Berlin

Topographie des Terrors, Auditorium
Niederkirchnerstraße 8, Berlin-Kreuzberg
Eintritt frei

(Gemeinsam mit der Hamburger Edition)

Am 4. Januar 1947 reichte der US-amerikanische Chefankläger Telford Taylor in Nürnberg eine Anklageschrift gegen 16 Personen ein, die im NS-Staat hohe Positionen im Reichsjustizministerium ausgeübt hatten oder Richter und Ankläger an Sondergerichten und dem Volksgerichtshof gewesen waren. Das Hauptverfahren, das am 17. Februar begann, richtete sich nur noch gegen 14 Angeklagte. Diese wurden der Teilnahme an Staatsverbrechen beschuldigt. Verhandlungsgegenstand war damit das NS-Rechtssystem selbst, das zum Kriegsverbrechen und zum Verbrechen gegen die Menschlichkeit erklärt wurde. Franz Schlegelberger, der das Justizministerium 1941/42 geschäftsführend geleitet hatte, und drei weitere Angeklagte wurden zu lebenslanger Haft verurteilt, sechs Angeklagte erhielten Freiheitsstrafen, vier wurden freigesprochen. Bis 1951 wurden sieben der zehn Verurteilten begnadigt.
In seinem Vortrag schildert Klaus Kastner die Vorgeschichte und den Verlauf des Juristen-Prozesses, analysiert die unterschiedlichen Rechtspositionen während des Verfahrens und fragt auch nach der Rezeption und Nachwirkung des Prozesses.

Klaus Kastner, 1936 geboren, langjähriger Staatsanwalt und Richter, ist Präsident des Landgerichts Nürnberg-Fürth a.D. und Honorarprofessor an der Universität Erlangen-Nürnberg für Vertragsrecht und Juristische Zeitgeschichte. Er hat zahlreiche Beiträge zu Themen aus Politik und Recht im 20. Jahrhundert, insbesondere zur Geschichte der „Nürnberger Prozesse”, sowie aus dem Grenzbereich zwischen Literatur und Recht publiziert. Zu seinen neueren Veröffentlichungen gehören Von den Siegern zur Rechenschaft gezogen. Die Nürnberger Prozesse (2001), Die Völker klagen an. Der Nürnberger Prozess 1945–1946 (2005, 2. Aufl. 2015) sowie der Aufsatz „Südost-Generäle” vor dem US-Militärtribunal (1947/48) und deutsche Kriegsverbrechen in Südosteuropa 1941–1944 (2013).

Peter Jochen Winters, 1934 geboren, war langjähriger Redakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Für seine Berichterstattung über den Auschwitz-Prozess erhielt er 1965 den „Deutschen Journalistenpreis”. Von 1992 bis 2006 war er Mitglied im Arbeitsausschuss der Stiftung Topographie des Terrors.