Dienstag, 14. Februar 2017 19:00 Uhr

Die Nürnberger „Nachfolgeprozesse”: Der Flick-Prozess (Fall 5)

Vortragsreihe Vor 70 Jahren. Die Nürnberger „Nachfolgeprozesse” 1946–1949

Der Flick-Prozess (Fall 5)
8. Februar 1947 – 22. Dezember 1947

Vortrag: Dr. Axel Drecoll, München
Moderation: Dr. Peter Jochen Winters, Berlin

(Gemeinsam mit der Hamburger Edition)

Topographie des Terrors, Auditorium
Niederkirchnerstraße 8, Berlin-Kreuzberg
Eintritt frei

Als Spitzenmanager des Konzerns waren die sechs Angeklagten im Flick-Prozess maßgebliche Verantwortliche einer privaten Unternehmensgruppe, die wie kaum eine andere von den durch das NS-Regime gebotenen Aufstiegs- und Expansionsmöglichkeiten profitiert hatte. Während des Kriegs hatte der Flick-Konzern zu den größten Kohle- und Stahlherstellern des Reichs gezählt und eine führende Stellung unter den Rüstungsproduzenten eingenommen. Seine Führungscrew war in zahlreiche Massenverbrechen, wie der Plünderung von Vermögenswerten oder der Ausbeutung von Zwangsarbeitern, verwickelt. Trotz guter Beweislage wurde jedoch im Dezember 1947 die Hälfte der Beschuldigten freigesprochen.
In seinem Vortrag beschreibt Axel Drecoll den Fall Flick als einen Musterfall, der Auftakt und vorläufiger Höhepunkt einer Serie von Wirtschaftsprozessen in Nürnberg war, in der zum ersten Mal exponierte Vertreter der privaten Wirtschaftselite auf der Anklagebank einer Völkerrechtsverhandlung saßen. Analysiert werden auch die Ursachen für das juristische Scheitern des Verfahrens.

Axel Drecoll, 1974 geboren, ist Leiter der Dokumentation Obersalzberg im Institut für Zeitgeschichte München-Berlin. Zu seinen Veröffentlichungen gehört Der Fiskus als Verfolger. Die steuerliche Diskriminierung der Juden in Bayern 1933–1941/42 (2009), als Mitautor Der Flick-Konzern im Dritten Reich (2008) und Die Geschichte der BayernLB (2009) sowie als Mitherausgeber Alfred Flechtheim. Raubkunst und Restitution (2015). In dem 2013 von der Hamburger Edition publizierten Band „NMT. Die Nürnberger Militärtribunale zwischen Geschichte, Gerechtigkeit und Rechtschöpfung” (hg. v. Kim C. Priemel und Alexa Stiller) ist er mit dem Aufsatz Der Auftakt der Industriellen-Prozesse. Der Fall 5 gegen die Manager des Flick-Konzerns vertreten.

Peter Jochen Winters, 1934 geboren, war langjähriger Redakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Für seine Berichterstattung über den Auschwitz-Prozess erhielt er 1965 den „Deutschen Journalistenpreis”. Von 1992 bis 2006 war er Mitglied im Arbeitsausschuss der Stiftung Topographie des Terrors.