Dienstag, 11. Juli 2017 19:00 Uhr

Die Nürnberger „Nachfolgeprozesse”: Der Einsatzgruppen-Prozess (Fall 9)

Der Einsatzgruppen-Prozess (Fall 9)
3. Juli 1947 – 10. April 1948

Vortrag: Prof. Dr. Michael Wildt, Berlin
Moderation: Dr. Peter Jochen Winters, Berlin

Vortragsreihe Vor 70 Jahren. Die Nürnberger „Nachfolgeprozesse” 1946–1949

Topographie des Terrors, Auditorium
Niederkirchnerstraße 8, Berlin-Kreuzberg
Eintritt frei

(Gemeinsam mit der Hamburger Edition)

Der Einsatzgruppen-Prozess richtete sich gegen 23 ehemals hochrangige Mitarbeiter des Reichssicherheitshauptamts, das Gestapo, Kriminalpolizei und Sicherheitsdienst der SS umfasste. Während des Kriegs gegen die Sowjetunion waren sie entweder als Leiter einer der vier Einsatzgruppen oder als Chefs kleinerer Einsatz- und Sonderkommandos tätig gewesen. Hauptangeklagter war Otto Ohlendorf, der frühere Amtschef III (SD-Inland) des Reichssicherheitshauptamts (RSHA). Als Zeuge der Anklage hatte er sich im Nürnberger Hauptkriegsverbrecherprozess selbst belastet, indem er angegeben hatte, seine Einsatzgruppe sei für die Ermordung von etwa 90.000 Juden verantwortlich gewesen. Das Gericht verkündete im April 1948 die höchste Zahl an Todesurteilen, die in einem der zwölf „Nachfolgeprozesse”  vor US-amerikanischen Militärgerichten in Nürnberg gefällt worden sind.
In seinem Vortrag beschreibt Michael Wildt den Verlauf und das Urteil des Prozesses gegen die nationalsozialistische „Weltanschauungselite” und lenkt den Blick auch auf die späteren Ermittlungsverfahren gegen ehemalige RSHA-Angehörige durch die bundesdeutsche Justiz.

Michael Wildt, 1954 geboren, ist Professor für Deutsche Geschichte im 20. Jahrhundert mit Schwerpunkt im Nationalsozialismus an der Humboldt-Universität zu Berlin. Zu seinen neueren Publikationen gehören Generation des Unbedingten. Das Führungskorps des Reichssicherheitshauptamtes (2002, akt. Neuausgabe 2008), Nachrichtendienst, politische Elite und Mordeinheit. Der Sicherheitsdienst des Reichsführers SS (2003, 2. Aufl. 2016, Hg.), Geschichte des Nationalsozialismus (2008), Volksgemeinschaft. Neue Forschungen zur Gesellschaft des Nationalsozialismus (2009, hg. mit Frank Bajohr) und Volk, Volksgemeinschaft, AfD (2017).

Peter Jochen Winters, 1934 geboren, war langjähriger Redakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Für seine Berichterstattung über den Auschwitz-Prozess erhielt er 1965 den „Deutschen Journalistenpreis”. Von 1992 bis 2006 war er Mitglied im Arbeitsausschuss der Stiftung Topographie des Terrors.