Dienstag, 16. September 2014 19:00 Uhr

Die Inszenierung des Krieges – Kriegsberichterstattung und NS-Propaganda

Vorträge: Alexander Zöller, Potsdam, und Dr. Dirk Alt, Burgwedel
Moderation: Dr. Claudia Steur, Berlin

Topographie des Terrors  Auditorium
Niederkirchnerstraße 8, Berlin-Kreuzberg
Eintritt frei

Begleitveranstaltung zur Sonderausstellung Hans Bayer - Kriegsberichter im Zweiten Weltkrieg

Während des Zweiten Weltkriegs übernahmen die sogenannten Propagandakompanien den größten Teil der offiziellen deutschen Kriegsberichterstattung. Die in den Propagandakompanien als Kriegsberichter eingesetzten Zeichner, Wort-, Bild-, Film- und Rundfunkberichter waren Wehrmachtsangehörige, die als „Berichter” unmittelbar das Frontgeschehen erlebten. Als Soldaten waren sie dem militärischen Gehorsam verpflichtet. Sie rückten mit den kämpfenden Soldaten vor, flogen in Flugzeugen mit, fuhren in Panzern oder auf U-Booten. Ihre in der nationalsozialistischen Presse, im Rundfunk und in den Kino-Wochenschauen präsenten Reportagen vermittelten das Kriegsgeschehen mit einer bislang unbekannten Intensität und Authentizität und erzeugten in der Heimat ein starkes Gefühl der Verbundenheit mit den Soldaten an der Front.
Anhand ausgewählter Beispiele geben Alexander Zöller und Dirk Alt einen Einblick in die Arbeit der Bild- und Filmberichter. Sie zeigen, wie das von diesen gelieferte Material durch die entsprechende Kontextualisierung, Auswahl und Auslassung im Sinne der NS-Propaganda verzerrt und verfälscht wurde.

Alexander Zöller, 1979 geboren, studiert Archiv- und Informationswissenschaft an der Fachhochschule Potsdam. Er war bzw. ist für das Bundesarchiv in Koblenz (Bildarchiv) und Berlin (Filmarchiv) sowie für die Stiftung Deutsche Kinemathek in Berlin tätig. Zum Thema der visuellen deutschen Propaganda im Zweiten Weltkrieg hat er diverse Vorträge im In- und Ausland gehalten und Aufsätze publiziert, u.a. Soldaten oder Journalisten? Das Image der Propagandakompanien zwischen Anspruch und Wirklichkeit (2010).

Dirk Alt, 1982 geboren, ist Historiker, Publizist und Dokumentarfilmmacher. Er arbeitet primär über die deutsche Filmgeschichte vor 1945. Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehören: Dokumentarfilm, Amateurfilm, NS-Wochenschauen und Kriegsberichterstattung. 2013 erschienen seine Studie Der Farbfilm marschiert! Frühe Farbfilmverfahren und NS-Propaganda und sein Dokumentarfilm Straßen der Vergangenheit – Die Reichsauto-bahnen 19331945.

Claudia Steur ist wissenschaftliche Mitarbeiterin der Stiftung Topographie des Terrors und Kuratorin der Sonderausstellung „Hans Bayer – Kriegsberichter im Zweiten Weltkrieg“.