Montag, 30. April 2018 19:00 Uhr

Die Hälfte der Stadt | Połowa miasteczka

Dokumentarfilm, 2015, 86 Minuten
Buch und Regie: Paweł Siczek

Gezeigt wird die deutsche Originalfassung. Die Interviewsequenzen auf Polnisch und Englisch sind Deutsch untertitelt.

Nach dem Film stehen Paweł Siczek und Agnieszka Wierzcholska für Fragen zur Verfügung.
Moderation: Ulrich Tempel, Stiftung Topographie des Terrors, Berlin

Topographie des Terrors, Auditorium
Niederkirchnerstraße 8, Berlin-Kreuzberg
Eintritt frei

(Gemeinsam mit dem Polnischen Institut Berlin, im Rahmen von filmPOLSKA 2018)

Die Entdeckung einer großen Anzahl von Glasnegativen mit Porträts war der Anlass für die Entstehung dieses Films. Sie stammen von dem 1890 geborenen Chaim Berman, der das Fotogeschäft seines Vaters übernahm und Ortsfotograf in Kozienice wurde, einer Kleinstadt am Ufer der Weichsel, etwa 80 Kilometer südöstlich von Warschau. Jüdische und nichtjüdische Polen und Angehörige der deutschen Minderheit lebten hier gemeinsam, Chaim Berman engagierte sich in der Gemeindepolitik. Während der deutschen Besatzung gab es in Kozienice ein Ghetto. Chaim Berman und einer seiner Söhne wurden von dem ortsansässigen Lehrer versteckt, doch beide überlebten nicht.
Der Film spannt einen großen Bogen von der Zeit um die Jahrhundertwende bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs. In unterschiedlichen Einstellungen zeigt er die auf den Glasnegativen abgebildeten Einwohner von Kozienice. Dazu kommen Bilder des heutigen Ortes und eine Animation, die dem Lebensweg Chaim Bermans folgt. Zuweilen vermischen sich diese beiden Ebenen. Gespräche mit Zeitzeugen und einem jungen ortskundigen Fotografen erweitern das Bild und sind Teil einer intensiven filmischen Spurensuche.

Paweł Siczek, 1977 geboren, ist freier Autor und Regisseur. Er studierte Dokumentarfilm und Fernsehpublizistik an der Hochschule für Fernsehen und Film in München.

Agnieszka Wierzcholska, 1982 geboren, ist Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Osteuropa-Institut der Freien Universität Berlin. In ihrem Dissertationsprojekt unter-sucht sie im Rahmen einer mikrohistorischen Studie zur Stadt Tarnów die Beziehungen zwischen Juden und Nichtjuden in Polen im Zeitraum 1918 bis 1956.