Dienstag, 3. Juni 2014 19:00 Uhr

Die Berichte der Einsatzgruppen aus Polen 1939

Vorträge: Dr. Jochen Böhler, Jena, und Dr. Stephan Lehnstaedt, Warschau
Einführung und Moderation: Dr. Jürgen Matthäus, Washington, D.C.

Topographie des Terrors, Auditorium
Niederkirchnerstraße 8, Berlin-Kreuzberg
Eintritt frei

Im Rahmen der Vortragsreihe Krieg – Besatzung – Erinnerung. Polen und der Zweite Weltkrieg

(Gemeinsam mit dem Zentrum für Historische Forschung Berlin der Polnischen Akademie der Wissenschaften sowie dem Deutschen Historischen Institut Warschau und dem Metropol Verlag)

Mit dem deutschen Überfall auf Polen nahmen sieben „Einsatzgruppen der Sicherheitspolizei” ihre Tätigkeit auf. Die Verbände sollten offiziell mit der Wehrmacht kooperieren, inoffiziell hatten sie von der SS-Führung den Befehl erhalten, zehntausende Angehörige der polnischen Eliten zu ermorden. Sie agierten hinter der Front und waren für zahllose Massenverbrechen an der Zivilbevölkerung verantwortlich.
Mit dem von Jochen Böhler und Stephan Lehnstaedt herausgegebenen Band Die Berichte der Einsatzgruppen aus Polen 1939 (2013) liegt eine Gesamtedition der vollständig überlieferten Berichte vor. Das zentrale Quellenkorpus stellen dabei die Berichte dar, die im Berliner Reichssicherheitshauptamt in einem extra geschaffenen Sonderreferat „Unternehmen Tannenberg” aus den lokalen Meldungen kompiliert und für die SS-Führung erstellt wurden. Die Berichte, die vor allem Lage- und Stimmungsberichte umfassen, geben einen Einblick in die Frühzeit der deutschen Besat-zung in Polen, während der wesentliche Weichen für die weitere Politik gestellt wurden.

Jochen Böhler, 1969 geboren, ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Imre-Kertész-Kolleg „Europas Osten im 20. Jahrhundert” an der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Zu seinen Veröffentlichungen zählen Auftakt zum Vernichtungskrieg. Die Wehrmacht in Polen 1939 (2006) und Der Überfall. Deutschlands Krieg gegen Polen (2009). Mit Jürgen Matthäus und Klaus-Michael Mallmann ist er Herausgeber des Bandes Einsatzgruppen in Polen. Darstellung und Dokumentation (2008), der soeben in überarbeiteter englischsprachiger Fassung erschienen ist.

Stephan Lehnstaedt, 1980 geboren, ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Deutschen Historischen Institut Warschau und derzeit Guest Teacher an der London School of Economics and Political Science. Seine Dissertation erschien 2010 unter dem Titel Okkupation im Osten. Besatzeralltag in Warschau und Minsk 1939–1944. Mit Jochen Böhler ist er Herausgeber von Gewalt und Alltag im besetzten Polen 1939–1945 (2012).

Jürgen Matthäus, 1959 geboren, ist Leiter der Forschungsabteilung am United States Holocaust Memorial Museum in Washington, D.C., und u.a. Mitglied im Internationalen Beirat der Stiftung Topographie des Terrors. Er ist Mitherausgeber der dreibändigen Edition Dokumente der Einsatzgruppen in der Sowjetunion (2011, 2013, 2014).