Dienstag, 24. Januar 2017 19:00 Uhr

Der Weg in den Holocaust. Die Eskalation der deutschen Vernichtungspolitik in der Sowjetunion im Sommer 1941

Vortrag: PD Dr. Martin Cüppers, Ludwigsburg
Moderation: Klaus Hesse, Berlin

Topographie des Terrors, Auditorium
Niederkirchnerstraße 8, Berlin-Kreuzberg
Eintritt frei

Begleitprogramm zur Sonderausstellung „Massenerschießungen. Der Holocaust zwischen Ostsee und Schwarzem Meer 1941–1944”

(Gemeinsam mit der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas)

Mit dem deutschen Angriff auf die Sowjetunion am 22. Juni 1941 setzte eine erste Welle von Massenerschießungen in den besetzten Gebieten ein. Allein bis Ende Juli 1941 hatten die vier „Einsatzgruppen” der Sicherheitspolizei und des Sicherheitsdienstes der SS etwa 55.000 Juden erschossen. Während anfangs noch eine selektive Mordpraxis vorherrschte, töteten die mobilen „Einsatzgruppen”, Einheiten der Ordnungspolizei und Verbände der Waffen-SS – verstärkt durch einheimische Helfer – nach wenigen Wochen zunehmend auch Frauen und Kinder. An hunderten von Orten wurde seitdem in bis dahin beispielloser Radikalität die gesamte jüdische Bevölkerung ermordet.
In seinem Vortrag analysiert Martin Cüppers das Gewaltpotential und die Eskalation der deutschen Vernichtungspolitik in der Sowjetunion im Sommer 1941. Er legt dar, dass die Massenerschießungen während der ersten Kriegswochen den eigentlichen Auftakt und die Vorbedingung für die erst in den folgenden Monaten allmählich auf ganz Europa ausgedehnte Vernichtung der Juden bildeten.

Martin Cüppers, 1966 geboren, ist wissenschaftlicher Leiter der Forschungsstelle Ludwigsburg und Privatdozent am Historischen Institut der Universität Stuttgart. Zu seinen Publikationen zählen Wegbereiter der Shoah. Die Waffen-SS, der Kommandostab Reichsführer-SS und die Judenvernichtung 1939–1945 (2005), Naziverbrechen. Täter, Taten, Bewältigungsversuche (2013, hg. mit A. Angrick und J. Matthäus), die dreibändige Edition Dokumente der Einsatzgruppen in der Sowjetunion (2011–14, hg. mit K.-M. Mallmann, A. Angrick und J. Matthäus) und Walther Rauff – in deutschen Diensten. Vom Naziverbrecher zum BND-Spion (2013).

Klaus Hesse ist wissenschaftlicher Mitarbeiter der Stiftung Topographie des Terrors und Kurator der Dauerausstellung „Topographie des Terrors. Gestapo, SS und Reichssicherheitshauptamt in der Wilhelm- und Prinz-Albrecht-Straße”.