Dienstag, 12. November 2013 19:00 Uhr

Der Theologe Walter Grundmann und das Eisenacher „Institut zur Erforschung und Beseitigung des jüdischen Einflusses auf das deutsche kirchliche Leben”

Vortrag: Prof. Dr. Dres. h.c. Susannah Heschel
Moderation: Prof. Dr. Manfred Gailus

Topograpie des Terrors, Auditorium
Niederkirchnerstraße 8, Berlin-Kreuzberg
Eintritt frei

(Im Rahmen der Reihe „Täter und Komplizen in Theologie und Kirchen 1933–1945”)

(Gemeinsam mit der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz und Prof. Dr. Manfred Gailus)

Am 6. Mai 1939 wurde das „Institut zur Erforschung und Beseitigung des jüdischen Einflusses auf das deutsche kirchliche Leben” auf der Wartburg mit einer Feier eröffnet. In den sechs Jahren seines Bestehens verfolgte das von protestantischen Theologen gegründete Institut sowohl politische als auch theologische Ziele. Orientiert an der antisemitisch-rassistischen Politik des NS-Regimes beabsichtigte das Institut die „Entjudung” der Kirche und entwickelte eine neue Interpretation der Bibel und der Liturgie. Das Neue Testament und das Kirchengesangbuch wurden in Ausgaben publiziert, in denen die Bezüge zum Judentum getilgt waren. Wissenschaftlicher Leiter des Instituts war Walter Grundmann (1906–1976), Professor für Neues Testament und völkische Theologie an der Universität Jena und bereits seit 1930 Mitglied der NSDAP.
In ihrem Vortrag gibt Susannah Heschel einen Überblick über den Werdegang Walter Grundmanns, berichtet über die Aktivitäten des Eisenacher Instituts und beleuchtet auch die Nachkriegskarrieren von Institutsmitgliedern.

Susannah Heschel, 1956 geboren, ist Professor of Jewish Studies am Dartmouth College, USA. Sie war Gastprofessorin an der Princeton University, der University of Cape Town und der Universität Frankfurt/M. 2011/2012 war sie Fellow am Wissenschaftskolleg zu Berlin. Zu ihren Arbeitsschwerpunkten gehören die jüdisch-christlichen Beziehungen in Deutschland während des 19. und 20. Jahrhunderts, die feministische Theologie und die Geschichte des Antisemitismus. Sie hat zahlreiche Studien publiziert, darunter Abraham Geiger and the Jewish Jesus (1998), The Aryan Jesus. Christian Theologians and the Bible in Nazi Germany (2008) sowie diverse Aufsätze zum Thema des Vortrags, zuletzt: Rassismus und Christentum. Das Institut zur Erforschung und Beseitigung des jüdischen Einflusses auf das deutsche kirchliche Leben (2012). Für ihr Werk wurde Heschel vielfach geehrt und ausgezeichnet.

Manfred Gailus, 1949 geboren, ist apl. Professor für Neuere Geschichte am Zentrum für Antisemitismusforschung der Technischen Universität Berlin. Seine Forschungsschwerpunkte sind die Sozial- und Politikgeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts und die Protestantismusgeschichte. Er hat zahlreiche Veröffentlichungen vorgelegt, darunter Zerstrittene „Volkgemeinschaft”. Glaube, Konfession und Religion im Nationalsozialismus (2011, hg. mit Armin Nolzen).

Vortragsreihe „Täter und Komplizen in Theologie und Kirchen”, Teil 2 (PDF)