Dienstag, 18. Februar 2014 19:00 Uhr

Der Novemberpogrom 1938 und die Berliner

Vortrag: Prof. Dr. Wolf Gruner
Moderation: Prof. Dr. Andreas Nachama

Topographie des Terrors, Auditorium
Niederkirchnerstraße 8, Berlin-Kreuzberg
Eintritt frei

(Abschluss des Begleitprogramms zur Ausstellung „Es brennt! 75 Jahre nach den Novemberpogromen 1938”)

Während der reichsweit organisierten antijüdischen Pogrome im November 1938 zerstörten SA, SS und andere Parteiformationen auf Anweisung von Joseph Goebbels und Reinhard Heydrich in ganz Deutschland tausende Wohnungen, Geschäfte, Einrichtungen und Synagogen. Mehr als 100 Menschen wurden ermordet, etwa 30.000 jüdische Männer in Konzentrationslager verschleppt. Nach den Ausschreitungen fanden in Berlin mehrere Ministerkonferenzen zur Neuorientierung der Verfolgungspolitik statt, in deren Folge von der NS-Führung verschärfte antijüdische Maßnahmen beschlossen wurden.
In seinem Vortrag berichtet Wolf Gruner über die Ereignisse des 9./10. November 1938 in der Reichshauptstadt und darüber, wie die Berliner auf die Ausschreitungen reagierten. Bisher nicht ausgewertete Quellen erlauben einen viel genaueren Blick als bisher: Während nicht wenige Schaulustige sich an den Ausschreitungen beteiligten oder sich an Plünderungen bereicherten, diskutierten andere Berliner offen auf Straßen oder in Kneipen über die Ereignisse, einige kritisch, manche protestierten sogar. Gruner beleuchtet zudem die antijüdischen Maßnahmen nach dem Pogrom, bei denen die Berliner Stadtverwaltung auf mehreren Gebieten Reichsregelungen vorgriff.

Wolf Gruner, 1960 geboren, ist Inhaber des Shapell-Guerin Chairs in Jewish Studies und Professor für Geschichte an der University of Southern California in Los Angeles. Seine Habilitation erfolgte 2006 an der Technischen Universität Berlin. Gruner hat zahlreiche Veröffentlichungen vorgelegt, darunter Öffentliche Wohlfahrt und Judenverfolgung. Wechselwirkungen lokaler und zentraler Politik im NS-Staat (1933–1942) (2002) und Das Großdeutsche Reich und die Juden. Nationalsozialistische Verfolgungspolitik in den angegliederten Gebieten (2010, hg. mit Jörg Osterloh). Sein von der Stiftung Topgraphie des Terrors herausgegebener Band Judenverfolgung in Berlin 1933–1945. Eine Chronologie der Behördenmaßnahmen in der Reichshauptstadt (1996, 2. erw. Aufl. 2009) ist soeben in englischer Übersetzung erschienen: The Persecution of the Jews in Berlin 1933–1945. A Chronology of Measures by the Authorities in the German Capital (2014).

Andreas Nachama ist Direktor der Stiftung Topographie des Terrors.