Samstag, 25. Mai 2013 20:30 Uhr

Der Kaiser von Atlantis oder Die Tod-Verweigerung

Spiel in einem Akt von Viktor Ullmann
Libretto: Peter Kien
(Ghetto Theresienstadt 1943/44)

Konzertante Aufführung

Einführung: Dr. Albrecht Dümling
Dirigent: John Axelrod
Kammersymphonie Berlin
Der Tod: Martin Snell (Bass)
Kaiser Overall: Klaus Häger (Bariton)
Ein Soldat/Harlekin: Martin Nyvall (Tenor)
Bubikopf: Claudia Barainsky (Sopran)
Der Trommler: Vanessa Barkowski (Mezzosopran)
Der Lautsprecher: Andreas Thieck (Sprecher)

Ende gegen 22 Uhr

Topographie des Terrors, Foyer
Niederkirchnerstraße 8, 10963 Berlin
Eintritt frei

Um Anmeldung bis 21. Mai wird gebeten:
veranstaltungen(at)topographie.de
Telefon 030 254509-0

Am 24. Mai um 10 Uhr findet eine Aufführung für Schülerinnen und Schüler statt, für die die Anmeldung von Schulklassen ebenfalls noch möglich ist.
weitere Informationen

Der Schönberg-Schüler Viktor Ullmann schrieb die Partitur seiner etwa einstündigen Kammeroper Der Kaiser von Atlantis oder Die Tod-Verweigerung (auf einen Text von Peter Kien) ab 1943 im Ghetto Theresienstadt. Bei der Besetzung orientierte er sich an den dortigen sehr eingeschränkten Aufführungsmöglichkeiten. Beinahe revuehaft sind die einzelnen Szenen aneinandergereiht und zeigen eine bemerkenswerte stilistische Bandbreite: Von Formen der Unterhaltungsmusik bis zur ausgewachsenen Opernarie, von Anklängen an Jazzmusik, an Kurt Weill oder Gustav Mahler bis zum Bachzitat reicht das Spektrum. „Der Ausdehnung nach klein, dem Gehalt nach gewaltig” (Sigrid Neef) ist Ullmanns bedeutendstes Werk.  

Konzert-, Theater- und auch Opernaufführungen sind im Ghetto Theresienstadt unter schwierigsten Bedingungen zustande gekommen. Dieser Umstand wie auch die Stilisierung des Lagers zum „Altersghetto” durch die Nazis vermittelten (auch nach dem Zusammenbruch des NS-Regimes) den Eindruck, hier habe eine gemäßigte, geradezu „humane” Variante eines Konzentrationslagers existiert. Zur Aufführung des „Kaisers” kam es nicht mehr (die Uraufführung in einer bearbeiteten Fassung fand erst 1975 in Amsterdam statt). Möglicherweise hat die SS-Lagerleitung die Brisanz des Stücks erkannt und die Aufführung verboten. Doch vermutlich war ein anderer Grund entscheidend: Im Laufe des Jahres 1944 wurden Ullmann und die meisten zur Mitwirkung vorgesehenen Häftlinge nach Auschwitz deportiert und dort ermordet – Theresienstadt war kein „humanes Ghetto”, es war, wie alle anderen NS-Ghettos auch, eine Durchgangsstation zur fabrikmäßigen Ermordung in einem Vernichtungslager.

Zum Inhalt:
„Du sollst den großen Namen Tod nicht eitel beschwören.” Diese Losung steht am Schluss der Oper.
Kaiser Overall ruft den Krieg aller gegen alle aus. Daraufhin verweigert der Tod ihm seine Gefolgschaft und tritt in den Streik. Der Kaiser sieht seine Macht schwinden, da die schwerwiegendste Bedrohung für seine Untertanen – der Tod – ihren Schrecken verloren hat. Der Tod will sein Werk nur dann wieder aufnehmen, wenn Kaiser Overall bereit ist, sein erstes Opfer zu sein.

Programmflyer (PDF)