Dienstag, 16. Februar 2016 19:00 Uhr

Der italienische Faschismus

Vortrag: Prof. Dr. Dr. h.c. Wolfgang Schieder (em., Universität zu Köln)
Moderation: Prof. Dr. Wolfgang Wippermann (em., Freie Universität Berlin)

Topographie des Terrors, Auditorium
Niederkirchnerstraße 8, Berlin-Kreuzberg
Eintritt frei

Im Rahmen der Reihe Faschismus in Europa 1918–1945

(In Kooperation mit Prof. Dr. Arnd Bauerkämper, Friedrich-Meinecke-Institut der Freien Universität Berlin)

Der italienische Faschismus (1919–1945) stellte ein historisches Novum dar, an dem sich letztlich alle faschistischen Bewegungen in Europa, einschließlich des Nationalsozialismus, orientierten.
In seinem Vortrag gibt Wolfgang Schieder einen Überblick über Aufstieg, Herrschaft und Ende des Faschismus in Italien. Er unterscheidet zwischen der Entstehungsphase 1919 bis 1922 – der Zeit der „Bewegung”, die mit dem „Marsch auf Rom” endete –, einer Konsolidierungsphase von 1922 bis 1929, der eigentlichen Diktaturphase von 1929 bis 1943 und einem „faschistischen Epilog” von 1943 bis 1945. Schieder schildert das politische Regime und den Polizeistaat des Faschismus, die „charismatische” Herrschaft Benito Mussolinis und ihre Grenzen und fragt auch, weshalb sich gerade in Italien ein spezifisches Diktatursystem herausbilden konnte. Auch die Zeit nach dem Sturz Mussolinis im Juli 1943 wird thematisiert, als der „Duce” in Oberitalien im Auftrag der deutschen Besatzungsmacht nochmals ein Kollaborationsregime ausübte und die Repubblica Sociale Italiana (RSI) ein deutscher Satellitenstaat war.

Wolfgang Schieder, 1935 geboren, ist Professor em. für Neuere und Neueste Geschichte an der Universität zu Köln. Er hat zahlreiche Studien zur Geschichte des Faschismus und des Nationalsozialismus vorgelegt. Zu seinen neueren Publikationen gehören Faschistische Diktaturen. Studien zu Italien und Deutschland (2008), Der italienische Faschismus 19191945 (2010), Mythos Mussolini. Deutsche in Audienz beim Duce (2013) und Benito Mussolini (2014). 1995 wurde Wolfgang Schieder von der Universität Bologna die Ehrendoktorwürde verliehen. 2009 wurde er Co-Vorsitzender der neu geschaffenen deutsch-italienischen Historikerkommission, die sich im Rahmen ihrer Empfehlungen dafür ausgesprochen hat, eine Ausstellung zu italienischen Militärinternierten im Dokumentationszentrum NS-Zwangsarbeit in Berlin-Schöneweide zu erarbeiten und zu präsentieren.

Wolfgang Wippermann, 1945 geboren, lehrte Neuere Geschichte an der Freien Universität Berlin. Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehört die Geschichte des Faschismus. Er publizierte u.a. Europäischer Faschismus im Vergleich 19221982 (1983), Faschismustheorien. Die Entwicklung der Diskussion von den Anfängen bis heute (7. Aufl., 1997) und Faschismus. Eine Weltgeschichte vom 19. Jahrhundert bis heute (2009).