Dienstag, 19. Juli 2016 19:00 Uhr

Der europäische Faschismus in transnationaler Perspektive

Vortrag: Prof. Dr. Arnd Bauerkämper, Berlin
Moderation: Prof. Dr. Andreas Nachama, Berlin

Topographie des Terrors, Auditorium
Niederkirchnerstraße 8, Berlin-Kreuzberg
Eintritt frei

Abschlussveranstaltung der Vortragsreihe Faschismus in Europa 1918–1945

(Gemeinsam mit Prof. Dr. Arnd Bauerkämper, Friedrich-Meinecke-Institut, Freie Universität Berlin)

Nach dem Ersten Weltkrieg entstanden fast überall in Europa faschistische Bewegungen und Parteien, die sich häufig an dem neuen faschistischen Staat in Italien als Leitbild orientierten. 1933/34 war der von Mussolini angestrebte faschistische Universalismus, mit dem ein transnationales Beziehungsgeflecht unter italienischer Vorherrschaft konstituiert werden sollte, vorrangig gegen den wachsenden Einfluss des Nationalsozialismus gerichtet. Als es nach Bildung der „Achse Berlin-Rom” 1936 zur außenpolitischen und programmatischen Annäherung Italiens an das „Dritte Reich” kam, richteten sich die führenden Funktionäre vieler faschistischer Bewegungen zunehmend auf den NS-Staat aus. Bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs blieb die Politik der NS-Führung gegenüber den Faschisten in anderen europäischen Staaten jedoch widersprüchlich.
In seinem Vortrag bilanziert Arnd Bauerkämper Gemeinsamkeiten und Unterschiede der verschiedenen faschistischen Bewegungen bzw. Regime in Europa und rekonstruiert transnationale Verbindungen und Verflechtungen. Er erläutert auch, warum sich – im Gegensatz zu den kommunistischen Parteien – eine grenzüberschreitende Kooperation zwischen faschistischen Führern letztlich nicht dauerhaft institutionalisierte.

Arnd Bauerkämper, 1958 geboren, ist Professor für die Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts an der Freien Universität Berlin. Er hat zahlreiche Veröffentlichungen vorgelegt, darunter die Monographien Die „radikale Rechte” in Großbritannien. Nationalistische, antisemitische und faschistische Bewegungen vom späten 19. Jahrhundert bis 1945 (1991), Der Faschismus in Europa 1918–1945 (2006) und Das umstrittene Gedächtnis. Die Erinnerung an Nationalismus, Faschismus und Krieg in Europa seit 1945 (2012) sowie die Aufsätze Italienischer Faschismus und deutscher Nationalsozialismus im Vergleich und Bezugsverhältnis. Entstehung, Merkmale und Erinnerungen (2013) und Der „Große Krieg” als Beginn: das Verhältnis zwischen traditionalen Ordnungskonzepten, Faschismus und Autoritarismus (2015).

Andreas Nachama ist Direktor der Stiftung Topographie des Terrors.