Dienstag, 25. Oktober 2016 19:00 Uhr

Die Nürnberger „Nachfolgeprozesse”: Der Ärzte-Prozess (Fall 1)

Vortragsreihe Vor 70 Jahren: Die Nürnberger „Nachfolgeprozesse” 1946–1949

Der Ärzte-Prozess (Fall 1)
25. Oktober 1946 – 20. August 1947

Vortrag: Prof. Dr. Paul Weindling, Oxford
Moderation: Dr. Peter Jochen Winters, Berlin

Topographie des Terrors, Auditorium
Niederkirchnerstraße 8, Berlin-Kreuzberg
Eintritt frei

(Gemeinsam mit der Hamburger Edition)

Der Nürnberger „Ärzte-Prozess” war der erste der zwölf „Nachfolgeprozesse”, die nach dem Hauptkriegsverbrecherprozess in Nürnberg 1945/46 vor US-amerikanischen Militärtribunalen geführt wurden. Er fand unter großer Anteilnahme der Öffentlichkeit statt. Die Anklage richtete sich gegen 20 SS- und Lagerärzte sowie drei hohe NS-Funktionäre, die an nationalsozialistischen Medizinverbrechen beteiligt gewesen waren oder Verbrechen organisiert und angeordnet hatten. Im Zentrum der Anklage standen medizinische Experimente, vor allem an KZ-Häftlingen und Kriegsgefangenen, „Euthanasie”-Morde und Zwangssterilisationen; explizit angeklagt wurde die klinische Forschung im „Dritten Reich”.
In seinem Vortrag gibt Paul Weindling einen Überblick über die Hintergründe, den Verlauf, das Urteil und die Nachwirkungen des Ärzte-Prozesses. Er zeigt, dass der Ärzte-Prozess beides war: ein medizinethisches Forum und ein Prozess gegen den verbrecherischen Missbrauch der Medizin.

Paul Weindling, 1953 geboren, ist Research Professor in the History of Medecine an der Oxford Brookes University. Er ist Mitglied der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina sowie Preisträger des Anneliese Maier-Forschungspreises der Alexander von Humboldt-Stiftung. Zu seinen Veröffentlichungen gehören Health, Race and German Politics between National Unification and Nazism, 1870–1945 (1989), Epidemics and Genocide in Eastern Europe, 1890-1945 (2000), Nazi Medicine and the Nuremberg Trials: From Medical War Crimes to Informed Consent (2004) und Victims and Survivors of Nazi Human Experiments: Science and Suffering in the Holocaust (2014). In dem 2013 von der Hamburger Edition publizierten Band NMT. Die Nürnberger Militärtribunale zwischen Geschichte, Gerechtigkeit und Rechtschöpfung (hg. v. Kim C. Priemel und Alexa Stiller) ist er mit dem Aufsatz „Der Nürnberger Ärzte-Prozess: Entstehungsgeschichte, Verlauf, Nachwirkungen” vertreten.

Peter Jochen Winters, 1934 geboren, war langjähriger Redakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Für seine Berichterstattung über den Auschwitz-Prozess erhielt er 1965 den „Deutschen Journalistenpreis”. Von 1992 bis 2006 war er Mitglied im Arbeitsausschuss der Stiftung Topographie des Terrors.