Dienstag, 29. Oktober 2013 19:00 Uhr

Das Zwangslager für Sinti und Roma in Berlin-Marzahn. Alltag, Verfolgung und Deportation

Die Autorin Patricia Pientka, Berlin, im Gespräch mit Professor Dr. Michael Wildt, Berlin

(Gemeinsam mit dem Institut für Geschichtswissenschaften der Humboldt-Universität zu Berlin)

Topographie des Terrors, Auditorium
Niederkirchnerstraße 8 | Berlin-Kreuzberg
Eintritt frei

Im Zwangslager Berlin-Marzahn waren zwischen 1936 und 1945 nach Schätzungen etwa 1.200 als „Zigeuner” verfolgte Männer, Frauen und Kinder interniert. Das am Rande der Reichshauptstadt Berlin gelegene Lager war das größte kommunale „Zigeunerlager” im „Altreich”. Es diente den Nationalsozialisten zur gewaltsamen Exklusion und Erfassung von Sinti und Roma, deren Rekrutierung zur Zwangsarbeit und als Sammellager für Deportationen in verschiedene Konzentrationslager.
In dem neuen Buch Das Zwangslager für Sinti und Roma in Berlin-Marzahn. Alltag, Verfolgung und Deportation (2013) beschreibt Patricia Pientka die Einrichtung des Lagers, das im Vorfeld der 1936 in Berlin stattfindenden Olympischen Spiele entstand. Die Autorin rekonstruiert die Lebensbedingungen im Lager, informiert über die an der Verfolgung beteiligten Akteure, insbesondere über die Rolle der Berliner „Dienststelle für Zigeunerfragen”, und fragt nach den Schicksalen der Internierten. Beleuchtet werden die Radikalisierung der Verfolgung in Berlin auch im Kontext der reichsweiten Maßnahmen gegen Sinti und Roma sowie die Umstände der Deportationen von Berlin in das Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau.

Patricia Pientka, 1983 geboren, ist Historikerin und promoviert derzeit als Mitglied der Graduiertenschule am neu gegründeten Zentrum Jüdische Studien Berlin-Brandenburg. Sie absolvierte ein Studium der Neueren und Neuesten Geschichte, Mittelalterlichen Geschichte und Philosophie an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und der Humboldt-Universität zu Berlin und war Koordinatorin des 2011 im Centrum Judaicum realisierten studentischen Ausstellungsprojekts „Berlin-Minsk. Unvergessene Lebensgeschichten”. Sie hat mehrere Artikel zur Geschichte der Sinti und Roma verfasst. Die vorliegende Studie Das Zwangslager für Sinti und Roma in Berlin-Marzahn. Alltag, Verfolgung und Deportation (2013) ist die überarbeitete Fassung ihrer Magisterarbeit.

Michael Wildt, 1954 geboren, ist Professor für Deutsche Geschichte im 20. Jahrhundert mit Schwerpunkt im Nationalsozialismus an der Humboldt-Universität zu Berlin. Er hat zahlreiche Studien zur Geschichte der Gewalt und zum nationalsozialistischen Terror publiziert.