Donnerstag, 24. April 2014 19:00 Uhr

Kurier der Erinnerung. Das Leben des Jan Karski

Vortrag: Marta Kijowska, München
Lesung: Leo Solter, Berlin
Moderation: Prof. Dr. Andreas Nachama, Berlin

Topographie des Terror, Auditorium
Niederkirchnerstraße 8, Berlin-Kreuzberg
Eintritt frei

(Gemeinsam mit dem C.H. Beck Verlag und dem Polnischen Institut Berlin)

Jan Karski (1914–2000), in Lodz geboren, hatte eine Diplomatenkarriere vor sich, als die Wehrmacht Polen überfiel. Unter der deutschen Okkupation wurde er zu einem der aktivsten Mitglieder der polnischen Untergrundbewegung und zu einem ihrer wichtigsten Kuriere. Im Herbst 1942 wurde er auf einer speziellen Mission in den Westen geschickt. Er sollte die polnische Exilregierung und die Alliierten über die Arbeit des Untergrunds, aber auch über das Schicksal der polnischen Juden informieren. Um einen möglichst glaubwürdigen Bericht zu liefern, ließ er sich vorher ins Warschauer Ghetto und in ein Transitlager im Osten Polens einschleusen. Doch seine Versuche, die Welt zu alarmieren, blieben ohne Wirkung: Er wurde zwar in London u.a. von Außenminister Anthony Eden und in Washington von Präsident Franklin D. Roosevelt empfangen, doch entweder schenkte man seinem Bericht keinen Glauben oder man blieb gleichgültig. Schockiert und enttäuscht wollte Karski über seine Erlebnisse nie wieder sprechen. Er ließ sich in Washington nieder, wo er viele Jahre an der Georgetown University lehrte. Erst Ende der 1970er Jahre gelang es Claude Lanzmann, ihn für seinen Dokumentarfilm Shoah vor die Kamera zu holen. Erneut betätigte Karski sich als Kurier, diesmal als Kurier der Erinnerung.
Das neue Buch von Marta Kijowska Kurier der Erinnerung. Das Leben des Jan Karski (2014) ist die erste Gesamtbiographie Karskis in deutscher Sprache. Sein 1944 publiziertes Buch Story of a Secret State erschien 2011 als Mein Bericht an die Welt. Geschichte eines Staates im Untergrund erstmals auf deutsch.

Marta Kijowska, 1955 in Krakau geboren, lebt seit Jahren in München. Sie studierte Germanistik und arbeitet als Journalistin für Zeitungen und Hörfunk sowie als Übersetzerin aus dem Polnischen. Zu ihren Veröffentlichungen gehören die Biographien Andrzej Szczypiorskis (Der letzte Gerechte, 2003) und Stanislaw Jerzy Lec’ (Die Tinte ist ein Zündstoff, 2009), der Essayband Krakau. Spaziergang durch eine Dichterstadt (2005) und Polen, das heißt nirgendwo: Ein Streifzug durch Polens literarische Landschaften (2007).

Andreas Nachama ist Direktor der Stiftung Topographie des Terrors.