Donnerstag, 10. Dezember 2015 19:00 Uhr

Das „Büro Pfarrer Grüber” (1938–1940)

Vortrag: Dr. Hartmut Ludwig, Berlin
Moderation: Pfarrerin Marion Gardei, Berlin

Topographie des Terrors, Auditorium
Niederkirchnerstraße 8, Berlin-Kreuzberg
Eintritt frei

(Gemeinsam mit der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz und der Gedenkstätte Deutscher Widerstand)

Der evangelische Pfarrer Heinrich Grüber (1891–1975) richtete im Auftrag der Bekennenden Kirche im Dezember 1938 eine „Hilfsstelle” ein, um insbesondere ausgegrenzten und verfolgten Christen jüdischer Herkunft bei ihrer Emigration ins Ausland zu helfen und die weiter in Deutschland lebenden „nichtarischen” Christen sozial und seelsorgerlich zu betreuen. Dazu musste er mit der Gestapo zusammenarbeiten. Neben der Berliner Zentrale gab es in über 20 weiteren deutschen Städten Außenstellen, die Christen jüdischer Herkunft Beistand leisteten. Am 19.  Dezember 1940 schloss die Gestapo das Berliner Büro. Grüber wurde verhaftet und ins Konzentrationslager Sachsenhausen verschleppt. Sein Stellvertreter, Pfarrer Werner Sylten, musste das Büro auflösen. Danach wurde auch er ins Konzentrationslager Dachau verbracht und ermordet. Nach dem Krieg setzte Propst Grüber sein Engagement mit der Gründung der „Evangelischen Hilfsstelle für ehemals Rasseverfolgte” in Berlin fort. 1961 trat er im Eichmann-Prozess in Jerusalem als einer der wenigen Zeugen auf, die Adolf Eichmann persönlich begegnet waren. 1964 wurde er als „Gerechter unter den Völkern” durch den Staat Israel geehrt.
In seinem Vortrag bietet Hartmut Ludwig einen profunden Einblick in die Geschichte des „Büro Grüber” und skizziert auch das Wirken Heinrich Grübers nach 1945.

Hartmut Ludwig, 1942 geboren, war bis 2008 Dozent für Kirchliche Zeitgeschichte an der Theologischen Fakultät der Humboldt-Universität zu Berlin. Er hat zahlreiche Veröffentlichungen vorgelegt, insbesondere zur Geschichte der Bekennenden Kirche. Zu seinen Büchern zählen An der Seite der Entrechteten und Schwachen. Zur Geschichte des „Büro Pfarrer Grüber” (1938 bis 1940) und der Ev. Hilfsstelle für ehemals Rasseverfolgte nach 1945 (2009) und Evangelisch getauft – als „Juden” verfolgt. Theologen jüdischer Herkunft in der Zeit des Nationalsozialismus. Ein Gedenkbuch (2014, hg. mit Eberhard Röhm).

Marion Gardei ist Pfarrerin und Beauftragte für Erinnerungskultur der EKBO.