Dienstag, 5. Januar 2016 19:00 Uhr

„Dann bin ich ja ein Mörder!” Adolf Storms und das Massaker an Juden in Deutsch Schützen

Vortrag: Prof. Dr. Walter Manoschek, Wien
Moderation: Klaus Hesse, Berlin

Topographie des Terrors, Auditorium
Niederkirchnerstraße 8, Berlin-Kreuzberg
Eintritt frei

(Gemeinsam mit dem Wallstein Verlag)

Am 29. März 1945 erschossen drei Angehörige der Waffen-SS-Division „Wiking” mindestens 57 ungarisch-jüdische Zwangsarbeiter im burgenländischen Deutsch Schützen. Einer der mutmaßlichen Täter hieß Adolf Storms. 63 Jahre nach dem Massenmord gelang es Walter Manoschek, mit Storms und zwei weiteren beteiligten HJ-Führern zu sprechen. Er interviewte Storms insgesamt 15 Stunden vor laufender Kamera, bereits zuvor verständigte er die Staatsanwaltschaft. Adolf Storms wurde im Herbst 2009 in Dortmund wegen Mordes und Beihilfe zum Mord angeklagt. Er verstarb kurz vor Prozessbeginn im Juni 2010.
In seinem Buch „Dann bin ich ja ein Mörder!” (2015) rekonstruiert Walter Manoschek das Mordgeschehen in Deutsch Schützen und beschäftigt sich mit dem justiziellen Umgang Österreichs mit NS-Tätern. Grundgerüst des Buches bilden die Gespräche mit Adolf Storms, den beiden HJ-Führern und drei Juden, die das Massaker überlebt haben. Der beigelegte gleichnamige Dokumentarfilm von 2012 lässt Täter ebenso zu Wort kommen wie Überlebende des Massakers.

Walter Manoschek, 1957 geboren, ist außerordentlicher Professor für Politikwissenschaft an der Universität Wien. Er forscht und publiziert seit vielen Jahren zu den Themen Nationalsozialismus und Holocaust. Von 1995 bis 1999 war er Mitgestalter der Ausstellung „Vernichtungskrieg. Verbrechen der Wehrmacht 1941–1944”. Zu seinen Veröffentlichungen gehören „Serbien ist judenfrei”. Militärische Besatzungspolitik und Judenvernichtung in Serbien 1941/42 (1993), Opfer der NS-Militärjustiz. Urteilspraxis – Strafvollzug – Entschädigungspolitik in Österreich (2003, Hg.) und Der Fall Rechnitz. Das Massaker an Juden im März 1945 (2009, Hg.).

Klaus Hesse ist wissenschaftlicher Mitarbeiter der Stiftung Topographie des Terrors und Kurator der Dauerausstellung „Topographie des Terrors. Gestapo, SS und Reichssicherheitshauptamt in der Wilhelm- und Prinz-Albrecht-Straße”.