Dienstag, 19. September 2017 19:00 Uhr

Christliche Haltungen zum Nationalsozialismus im Zweiten Weltkrieg

Vortrag: Prof. Dr. Martin Greschat, Münster
Moderation: Martina Voigt, Berlin

Begleitprogramm zur Sonderausstellung „‚Überall Luthers Worte …’ – Martin Luther im Nationalsozialismus”

Topographie des Terrors, Auditorium
Niederkirchnerstraße 8, Berlin-Kreuzberg
Eintritt frei

(Gemeinsam mit der Gedenkstätte Deutscher Widerstand)

Die Kirchen beider Konfessionen waren seit Beginn des deutschen Angriffskriegs in Europa Teil der kriegsmobilisierten Gesellschaft. Sie stellten Wehrmacht- und Kriegspfarrer. Zehntausende Geistliche waren als Sanitätssoldaten in der Wehrmacht eingesetzt, zahlreiche Ordensfrauen in der Krankenpflege. Die zunächst vorherrschende Zustimmung der Kirchen zum Krieg nahm in dessen Verlauf ab. Öffentliche Proteste einzelner Vertreter beider Konfessionen mehrten sich und wandten sich nicht nur gegen „Entchristlichung”, sondern auch gegen die nationalsozialistischen Gewaltverbrechen. Mit großer Härte ging das NS-Regime gegen reales oder vermutetes Aufbegehren vor. Mit dem Argument der „Wehrkraftzersetzung” wurden Tausende verurteilt und hingerichtet. Zahlreiche Geistliche waren in Konzentrationslagern inhaftiert. Auch Angehörige kleiner Glaubensgemeinschaften wie der Zeugen Jehovas oder der Quäker widersetzten sich und fielen der Verfolgung zum Opfer.
In seinem Vortrag analysiert Martin Greschat das breite Spektrum christlicher Haltungen zum Nationalsozialismus während des Kriegsverlaufs, das von – zeitweiliger – Zustimmung und aktiver Mitwirkung über Anpassung und Loyalität bis zu oppositionellem Verhalten und politischem Widerstand reichte, aber auch viele Haltungen zwischen partiellem Konsens und Widerspruch einschloss.

Martin Greschat, 1934 geboren, ist emeritierter Professor für Kirchengeschichte und Kirchliche Zeitgeschichte am Fachbereich Evangelische Theologie der Universität Gießen und Honorarprofessor an der Evangelisch-Theologischen Fakultät der Universität in Münster. Zu seinen neueren Publikationen zählen Protestantismus in Europa. Geschichte – Gegenwart – Zukunft (2005), Der Protestantismus in der Bundesrepublik Deutschland (1945–2005) (2010) und Der Erste Weltkrieg und die Christenheit. Ein globaler Überblick (2014). 2006 erschien sein Aufsatz Aus christlicher Motivation dem Nationalsozialismus widerstehen. Versuch eines Überblicks.

Martina Voigt, 1960 geboren, ist derzeit Kuratorin der Neufassung der Ausstellung im Martin-Niemöller-Haus, Berlin-Dahlem, und freie Mitarbeiterin der Gedenkstätte Stille Helden in der Stiftung Gedenkstätte Deutscher Widerstand.