Dienstag, 17. September 2013 19:00 Uhr

„Braune Priester” - Katholische Geistliche im Spannungsfeld von Katholizismus und Nationalsozialismus

Vortrag: Dr. Thomas Forstner (Berlin)
Moderation: Prof. Dr. Manfred Gailus (Berlin)

Topographie des Terrors, Auditorium
Niederkirchnerstraße 8, Berlin-Kreuzberg
Eintritt frei

(Im Rahmen der Vortragsreihe „Täter und Komplizen in Theologie und Kirchen 1933-1945”)

(In Kooperation mit der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz und Prof. Dr. Manfred Gailus)

In der NS-Zeit gab es insgesamt nur eine kleine Anzahl von katholischen Priestern, die als Anhänger des Nationalsozialismus auftraten. Die Forschung hat bisher rund 150 katholische Geistliche identifiziert, die auf verschiedene Weise und mit unterschiedlicher Intensität das NS-Regime und seine Ideologie aktiv unterstützten.
In seinem Vortrag erörtert Thomas Forstner, warum der Nationalsozialismus – trotz partieller Übereinstimmung des Klerus mit den Zielen des NS-Staats – für den überwiegenden Teil der katholischen Geistlichkeit wenig attraktiv erschien. Er geht auch der Frage nach, warum es dennoch zum Engagement einer Reihe von Priestern kam, die der NS-Ideologie aufgeschlossen gegenüberstanden und den Nationalsozialismus in aller Öffentlichkeit förderten. Was waren die Motive dieser „braunen Priester”? Wer waren diese individuell handelnden Personen und was verband sie, obwohl sie sich nicht als eigene Glaubensbewegung organisierten? In welcher Form engagierten sie sich für den Nationalsozialismus vor und nach 1933? Wie gingen die kirchlichen Vorgesetzten mit den „braunen Priestern” um? Und was geschah mit ihnen nach 1945?

Thomas Forstner, 1974 geboren, arbeitet als freiberuflicher Historiker und Unternehmensberater in Berlin. Von 2003 bis 2011 war er Projektleiter und Fachreferent im Erz-bischöflichen Ordinariat München. Zu seinen Veröffentlichungen gehört Die Beamten des bayerischen Innenministeriums im Dritten Reich. Loyale Gefolgsleute oder kritische Staatsdiener? (2002). Seine Dissertation Priester in Zeiten des Umbruchs. Identität und Lebenswelt des katholischen Pfarrklerus in Oberbayern 1918 bis 1945 erscheint im Oktober 2013. Forstner ist Mitglied des Münchner Arbeitskreises Katholizismus-/Protestantismusforschung.

Manfred Gailus, 1949 geboren, ist apl. Professor für Neuere Geschichte am Zentrum für Antisemitismusforschung der Technischen Universität Berlin. Seine Forschungsschwerpunkte sind die Sozial- und Politikgeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts und die Protestantismusgeschichte. Er hat zahlreiche Veröffentlichungen vorgelegt, darunter Zerstrittene „Volksgemeinschaft”. Glaube, Konfession und Religion im Nationalsozialismus (2011, hg. mit Armin Nolzen).

Vortragsreihe „Täter und Komplizen in Theologie und Kirchen 1933-1945” (PDF)