Dienstag, 28. Oktober 2014 19:00 Uhr

Bilder zum Judenmord. Eine kommentierte Sichtung der Malerei und Zeichenkunst in Deutschland von 1945 bis zum Auschwitz-Prozess

Vortrag: Dr. Kathrin Hoffmann-Curtius, Berlin
Moderation: Dr. Eckhart Gillen, Berlin

Topographie des Terrors, Auditorium
Niederkirchnerstraße 8, Berlin-Kreuzberg
Eintritt frei

(Gemeinsam mit der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück und dem Jonas Verlag)

Erinnerungen an die Ermordung der Juden durch die Nationalsozialisten werden gemeinhin nur mit Zeugenaussagen, Fotografie und Film verbunden. Der neue Band Bilder zum Judenmord. Eine kommentierte Sichtung der Malerei und Zeichenkunst in Deutschland von 1945 bis zum Auschwitz-Prozess (2014) von Kathrin Hoffmann-Curtius zeigt jedoch, dass auch Künstlerinnen und Künstler schon in den ersten Jahren nach Kriegsende mit Stift und Pinsel in Erinnerungspolitiken eingegriffen haben. Sie bearbeiteten eigenes Erleben, Gehörtes und Gesehenes, klagten an und versuchten, Trauer und Verlust zu fassen. Die Autorin beschreibt die Suche nach Formulierungen, die das Ausmaß der Verbrechen darstellen können, und diskutiert, wie in Fotografien, Texten, Zeichnungen, Gemälden und Aktionen verschiedene Begriffe und Bilder – Sprach-Bilder – entwickelt, verbreitet und fixiert worden sind, in denen an den Judenmord gedacht wird.

Kathrin Hoffmann-Curtius, 1937 geboren, ist freiberufliche Kunsthistorikerin. Sie lehrte zeitweise an den Universitäten in Tübingen, Hamburg, Trier und Wien und war Mitglied mehrerer Kommissionen zur Errichtung zeitgenössischer Denkmäler. Sie forscht zu Bilderpolitik und Repräsentationen von Gewalt, zur Kunst in der Weimarer Republik und im Nationalsozialismus und zur Erinnerungskultur an die beiden Weltkriege und die Ermordung der Juden. Zu ihren aktuellen Publikationen gehört der Aufsatz Re-rezipierte Erinnerung an den Nationalsozialismus in Comicsequenzen von Art Spiegelman und Volker Reiche (2011).

Eckhart Gillen, 1947 geboren, ist Lehrbeauftragter für Kunstgeschichte an der Filmuniversität Babelsberg KONRAD WOLF. Der Kunsthistoriker hat diverse Ausstel-lungen zur Kunst des 20. Jahrhunderts kuratiert, u.a. Deutschlandbilder Kunst aus einem geteilten Land in Berlin (1997/98) und Art of Two Germanys (zus. mit Stephanie Barron) in Los Angeles, Nürnberg und Berlin (2009/10). Zu seinen Veröffentlichungen gehört Feindliche Brüder? Der Kalte Krieg und die deutsche Kunst 19451990 (2009). 2003 wurde er mit dem „Einheitspreis – Bürgerpreis zur Deutschen Einheit” ausgezeichnet.