Dienstag, 18. November 2014 19:00 Uhr

„Auslandsspionage” – Ideologie und Illusion. Das Amt VI des Reichssicherheitshauptamts

Vortrag: Dr. Katrin Paehler (Normal, USA)
Moderation: Prof. Dr. Michael Wildt (Berlin)

Topographie des Terrors
Niederkirchnerstraße 8 10963 Berlin
Eintritt frei

Im Rahmen der Reihe Das Reichssicherheitshauptamt. NS-Terror-Zentrale im Zweiten Weltkrieg

(Gemeinsam mit dem Institut für Geschichtswissenschaften der Humboldt-Universität zu Berlin)

Im 1939 gegründeten Reichssicherheitshauptamt, in dem die staatliche Sicherheitspolizei und der Sicherheitsdienst (SD) der SS zusammengefasst wurden, agierte das Amt VI – der „SD-Ausland” – als geheimer nationalsozialistischer Auslandsnachrichtendienst. Zunächst unter der Leitung von Heinz Jost, stand das Amt seit Juni 1941 unter der Leitung von Walter Schellenberg. Beide Männer versuchten, das breite Mandat „Auslandsspionage” mit Inhalten zu füllen, und insbesondere Schellenberg trieb den Konflikt mit dem militärischen Geheimdienst unter Admiral Wilhelm Canaris voran. Im Februar 1944 übernahm Amt VI große Teile des Amts Ausland/Abwehr der Wehrmacht.
In ihrem Vortrag beschreibt Katrin Paehler die ideologische Ausrichtung und die Aktivitäten des Amts VI. Darüber hinaus stellt sie dar, dass Schellenberg versuchte, den SD-Ausland in ein „Alternatives Auswärtiges Amt” zu verwandeln – eine an Heinrich Himmler gebundene Zentrale für auswärtige Spionage und Politik. Bilanziert wird, dass das Amt VI während des Zweiten Weltkriegs keine konkret nutzbaren nachrichtendienstlichen Erfolge aufweisen konnte, sondern in erster Linie die Illusion eines Auslandsnachrichtendiensts war.

Katrin Paehler, 1968 geboren, ist Associate Professor am Fachbereich Geschichte der Illinois State University. Nach einem Studium der Mittleren und Neuen Geschichte, der Osteuropäischen Geschichte und Russistik in Marburg promovierte sie 2004 mit einer Studie über Espionage, Ideology, and Personal Politics: The Making and Unmaking of a Nazi Foreign Intelligence Service. Sie hat diverse Aufsätze über das Amt VI des Reichs­sicherheitshauptamts veröffentlicht, darunter Ein Spiegel seiner selbst. Der SD-Ausland in Italien (2003).

Michael Wildt, 1954 geboren, ist Professor für Deutsche Geschichte im 20. Jahrhundert mit Schwerpunkt im Nationalsozialismus an der Humboldt-Universität zu Berlin. Er hat zahlreiche Veröffentlichungen zum NS-Terror vorgelegt, darunter Generation des Unbedingten. Das Führungskorps des Reichssicherheitshauptamts (2002, durchges. und akt. Neuausgabe 2008).