Donnerstag, 4. Februar 2016 19:00 Uhr

Auf dem Wege zu einer Globalgeschichte des Faschismus? Forschungsstand und Perspektiven

Begrüßung: Prof. Dr. Andreas Nachama (Stiftung Topographie des Terrors, Berlin) 
Vortrag: Prof. Dr. Sven Reichardt (Universität Konstanz)
Einführung und Moderation: Prof. Dr. Arnd Bauerkämper (Freie Universität Berlin)

Topographie des Terrors, Auditorium
Niederkirchnerstraße 8, 10963 Berlin-Kreuzberg
Eintritt frei

Im Rahmen der Vortragsreihe Faschismus in Europa (1918–1945)

(In Kooperation mit Prof. Dr. Arnd Bauerkämper, Friedrich-Meinecke-Institut der Freien Universität Berlin)

In der jüngeren internationalen Forschungslandschaft haben sich seit den 1990er Jahren im Vergleich zu früheren Studien über den Faschismus verschiedene neue Ansätze entwickelt.
In seinem Vortrag vermittelt Sven Reichardt einen Überblick über die unterschiedlichen Konjunkturen der Geschichtsschreibung zum Faschismus seit den 1920er Jahren und die jeweils zentralen Fragestellungen. Deutlich wird, dass für das Thema „Faschismus in Europa” neue Wege der Forschung gebahnt worden sind, vor allem durch den Blick auf die sozialen und kulturellen Praktiken der Faschisten. In neueren Studien wird Faschismus insbesondere anhand seiner politischen Aktionen, des politischen Stils und seiner Organisationspraxis definiert. Auch die Selbstbeschreibungen und -deutungen der Faschisten werden in die Begriffsbildung aufgenommen. Darüber hinaus wird nach wechselseitigen Wahrnehmungen und dem Austausch zwischen faschistischen Bewegungen und Regimes gefragt. Sven Reichardt zeigt, inwieweit diese neueren Zugänge Anknüpfungspunkte für eine transnationale Perspektive bieten. Dem weltweiten Konflikt des Zweiten Weltkrieges entsprechend, soll dabei auch die globalgeschichtliche Perspektive einbezogen werden. 

Sven Reichardt, 1967 geboren, ist Professor für Zeitgeschichte an der Universität Konstanz. Er hat zahlreiche Veröffentlichungen zum Faschismus vorgelegt, darunter Faschistische Kampfbünde. Gewalt und Gemeinschaft im italienischen Squadrismus und in der deutschen SA (2002) sowie die Aufsätze Was mit dem Faschismus passiert ist. Ein Literaturbericht zur internationalen Faschismusforschung seit 1990 (2004), Neue Wege der vergleichenden Faschismusforschung (2007) und Faschistische Tatgemeinschaften. Anmerkungen zu einer praxeologischen Analyse (2014).

Arnd Bauerkämper, 1958 geboren, ist Professor für die Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts an der Freien Universität Berlin. Zu seinen neueren Veröffentlichungen zählen Der Faschismus in Europa 19181945 (2006) und Das umstrittene Gedächtnis. Die Erinnerung an Nationalismus, Faschismus und Krieg in Europa seit 1945 (2012).