Dienstag, 18. März 2014 19:00 Uhr

Antisemitismus, Wirtschaft und judenfeindliche Gewalt in Litauen 1883–1944

Vortrag: Dr. Klaus Richter, Birmingham
Moderation: Prof. Dr. Stefanie Schüler-Springorum, Berlin

Topographie des Terrors, Auditorium
Niederkirchnerstraße 8, Berlin-Kreuzberg
Eintritt frei

(Im Rahmen der Vortragsreihe Antisemitismus in Europa 1879–1945)

(Gemeinsam mit dem Zentrum für Antisemitismusforschung der Technischen Universität Berlin und der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas)

Seit Ende des 18. Jahrhunderts war Litauen Bestandteil des russischen Zarenreichs. Die nach dem Ersten Weltkrieg gegründete unabhängige Republik Litauen bestand bis zum Zweiten Weltkrieg. Das Land wurde 1940 von der Sowjetunion annektiert, nach dem deutschen Überfall auf die Sowjetunion im Juni 1941 stand es unter deutscher Herrschaft, im Sommer 1944 wurde Litauen erneut zu einer Sowjetrepublik.
In seinem Vortrag geht Klaus Richter dem Zusammenhang zwischen Antisemitismus, Wirtschaft und judenfeindlicher Gewalt in Litauen nach. Er untersucht die Beziehungen zwischen der ländlich geprägten christlichen und der städtisch orientierten jüdischen Bevölkerung vor dem Hintergrund des sich formierenden litauischen Nationalismus. Richter zeigt, dass der Antisemitismus im Litauen der 1930er Jahre auf Vorstellungen einer „judenfreien Wirtschaft” fußte, die bereits vor dem Ersten Weltkrieg formuliert worden waren. Während der einjährigen sowjetischen Herrschaft im Jahr 1940 verstärkte sich der Antisemitismus erheblich. Als Folge der deutschen Besatzungspolitik wurden die meisten litauischen Juden von Deutschen und litauischen Helfern ermordet.

Klaus Richter, 1979 geboren, ist Lecturer in War Studies an der Universität Birmingham. Er absolvierte ein Studium der Geschichte und Englischen Philologie in Köln und Kaunas und promovierte am Zentrum für Antisemitismusforschung im Rahmen des Forschungskollegs zum Antisemitismus in Europa. Zu seinen Veröffentlichungen zählen die Aufsätze Der Holocaust in der litauischen Historiographie seit 1991 (2007) und Antisemitismus und die litauische Intelligenzija (1900–1914) (2012). Seine Dissertation erschien 2013 unter dem Titel Antisemitismus in Litauen. Christen, Juden und die „Emanzipation” der Bauern (1889–1914).

Stefanie Schüler-Springorum ist Professorin an der Technischen Universität Berlin und Leiterin des Zentrums für Antisemitismusforschung. Sie hat zahlreiche Veröffentlichungen zur deutschen, deutsch-jüdischen und spanischen Geschichte im 19. und 20. Jahrhundert vorgelegt.