Dienstag, 21. April 2015 19:00 Uhr

Alfred Rosenberg. Die Tagebücher von 1934 bis 1944

Buchpräsentation: Dr. Jürgen Matthäus, Washington DC, und PD Dr. Frank Bajohr, München
Moderation: Prof. Dr. Andreas Nachama, Berlin

Topographie des Terrors, Auditorium
Niederkirchnerstraße 8, Berlin-Kreuzberg
Eintritt frei

Die Tagebücher des NSDAP-Chefideologen Alfred Rosenberg, seit 1946 verschollen, wurden erst vor kurzem aufgefunden. Mit dem Buch Alfred Rosenberg. Die Tagebücher von 1934 bis 1944 (2015) liegen sie jetzt erstmals als Gesamtausgabe vor, herausgegeben und ausführlich kommentiert von Jürgen Matthäus und Frank Bajohr.
Rosenbergs Aufzeichnungen zeigen, dass seine Rolle bei der Vorbereitung und Umsetzung des Holocaust lange unterschätzt wurde. Schon früh war er einer der radikalsten Antisemiten, der bis zuletzt die deutsche Vernichtungspolitik unterstützte. Rosenbergs Notizen verdeutlichen neben seiner unbedingten Ergebenheit gegenüber Hitler die erbitterte Konkurrenz innerhalb der Funktionselite um den „Führer”. Dieser wusste seine Satrapen wirkungsvoll gegeneinander auszuspielen, nicht zuletzt Alfred Rosenberg und Joseph Goebbels, die einander in inniger Abneigung verbunden waren. Insgesamt eröffnet das Schlüsseldokument wichtige Einblicke in die vom NS-Regime erzeugte Gewaltdynamik.

Frank Bajohr, 1961 geboren, ist Wissenschaftlicher Leiter des Zentrums für Holocaust-Studien am Institut für Zeitgeschichte in München und Privatdozent am Historischen Seminar der Universität Hamburg. Bis 2013 war er Mitarbeiter der Forschungsstelle für Zeitgeschichte in Hamburg. Zu seinen neueren Veröffentlichungen gehören Der Holocaust als offenes Geheimnis. Die Deutschen, die NS-Führung und die Alliierten (2006, zus. mit D. Pohl) und Fremde Blicke auf das „Dritte Reich”. Berichte ausländischer Diplomaten über Herrschaft und Gesellschaft in Deutschland 1933–1945 (2011, hg. mit Chr. Strupp).

Jürgen Matthäus, 1959 geboren, ist Leiter der Forschungsabteilung am United States Holocaust Memorial Museum in Washington DC und u.a. Mitglied im Inter-nationalen Beirat der Stiftung Topographie des Terrors. Zu seinen neueren Publikationen zählen Naziverbrechen. Täter, Taten, Bewältigungsversuche (2013, hg. mit M. Cüppers und A. Angrick) und Deutsche Besatzungsherrschaft in der UdSSR 1941–1945. Dokumente der Einsatzgruppen in der Sowjetunion (3 Bde., 2011–2013, hg. mit A. Angrick, M. Cüppers und K.-M. Mallmann).

Andreas Nachama ist Direktor der Stiftung Topographie des Terrors.