Dienstag, 11. Oktober 2016 19:00 Uhr

Alfred Filbert. Erster Chef des SS-Einsatzkommandos 9 im Krieg gegen die Sowjetunion

Grußwort: Prof. Dr. Hermann Wentker, IfZ, Leiter der Abt. Berlin
Vortrag: Dr. Alex J. Kay, Berlin
Moderation: Prof. Dr. Sönke Neitzel, Potsdam

Topographie des Terrors, Auditorium
Niederkirchnerstraße 8, Berlin-Kreuzberg
Eintritt frei

Im Rahmen des Begleitprogramms zur Sonderausstellung „Massenerschießungen. Der Holocaust zwischen Ostsee und Schwarzem Meer 1941–1944”

(Gemeinsam mit der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas und dem Institut für Zeitgeschichte München–Berlin)

SS-Obersturmbannführer Alfred Filbert (1905–1990) war von Juni bis Oktober 1941 als erster Chef des SS-Einsatzkommandos 9 der Einsatzgruppe B für den Mord an über 18.000 sowjetischen Juden – Männer, Frauen und Kinder – an der Ostfront verantwortlich. Bereits 1935 war der promovierte Jurist in der Berliner Zentrale des Sicherheitsdienstes (SD) der SS eingestellt worden und nach Beginn des Zweiten Weltkriegs zum stellvertretenden Chef des Amtes VI („SD-Ausland”) des Reichssicherheitshauptamtes avanciert.  
In seinem Vortrag schildert Alex J. Kay den Aufstieg Alfred Filberts innerhalb der SS-Hierarchie und seinen Einsatz als Direkttäter des Holocaust. Er zeigt, dass dieser die Befehle Hitlers, Himmlers und Heydrichs mit besonderer Radikalität durchführte. Kay untersucht auch die Nachkriegserfahrungen Filberts, der zuerst untertauchte und später verhaftet wurde. Sein Prozess vor dem Landgericht Berlin endete in einer Verurteilung zu lebenslanger Haft. Vorzeitig freigelassen, spielte Filbert Mitte der 1980er Jahre in einem kontroversen Spielfilm die Hauptrolle eines SS-Massenmörders.

Alex J. Kay, 1979 geboren, ist Leitender Wissenschaftlicher Projektkoordinator am Institut für Zeitgeschichte München–Berlin, Abteilung Berlin. Nach einem Geschichtsstudium in England promovierte er 2005 an der Humboldt-Universität zu Berlin. Zu seinen Veröffentlichungen gehören Exploitation, Resettlement, Mass Murder: Political and Economic Planning for German Occupation Policy in the Soviet Union, 1940–1941 (2006), Nazi Policy on the Eastern Front, 1941: Total War, Genocide, and Radicalization (2012, Mitherausgeber) und The Making of an SS Killer: The Life of Colonel Alfred Filbert, 1905–1990 (2016).

Sönke Neitzel, 1968 geboren, ist seit Oktober 2015 Professor für Militärgeschichte/Kulturgeschichte der Gewalt an der Universität Potsdam. Seine Forschungen befassen sich vor allem mit der Geschichte des Zeitalters der Weltkriege.