Dienstag, 15. September 2015 19:00 Uhr

80 Jahre nach den „Nürnberger Gesetzen”

Vortrag: Dr. Götz Aly, Berlin
Moderation: Prof. Dr. Bernward Dörner, Berlin

Topographie des Terrors  Auditorium
Niederkirchnerstraße 8, Berlin-Kreuzberg
Eintritt frei

Am 15. September 1935 ließ die NS-Führung während des „Reichsparteitags der Freiheit” den extra nach Nürnberg einberufenen Reichstag die „Nürnberger Rassengesetze” verabschieden. Das „Reichsbürgergesetz” erklärte die jüdischen Deutschen zu Staatsbürgern minderen Rechts; das „Gesetz zum Schutze des deutschen Blutes und der deutschen Ehre” („Blutschutzgesetz”) verbot unter anderem Eheschließungen und „außerehelichen Verkehr” zwischen Juden und Nichtjuden.
In seinem Vortrag analysiert Götz Aly die Entstehung der „Nürnberger Gesetze” als markante Etappe einer immer radikaleren Politik des nationalsozialistischen Deutschland, das den Antisemitismus von Anfang an zum Staatsziel erhoben hatte. Darüber hinaus nimmt Aly die – nicht nur in Deutschland – vorangegangenen Anstrengungen nationalistischer Mehrheitsgesellschaften in den Blick, Angehörige von Minderheiten bürokratisch zu definieren, und fragt, wie und warum Juden zu „Juden” wurden.

Götz Aly, 1947 geboren, Historiker und Journalist, ist Autor zahlreicher Bücher, die in vielen Sprachen erscheinen. Zu seinen neueren Veröffentlichungen gehören Hitlers Volksstaat. Raub, Rassenkrieg und nationaler Sozialismus (2005), Warum die Deutschen? Warum die Juden? Gleichheit, Neid und Rassenhass 1800–1933 (2011), Die Belasteten. „Euthanasie” 1939–1945. Eine Gesellschaftsgeschichte (2013) und Volk ohne Mitte. Die Deutschen zwischen Freiheitsangst und Kollektivismus (2015). Götz Aly wurde mit dem Heinrich-Mann-Preis, dem Marion-Samuel-Preis und dem Ludwig-Börne-Preis ausgezeichnet.

Bernward Dörner, 1956 geboren, ist apl. Professor für Neuere Geschichte unter besonderer Berücksichtigung der Zeitgeschichte. Er lehrt am Zentrum für Antisemitismusforschung der Technischen Universität Berlin. Seine wichtigsten Werke sind Heimtücke”: Das Gesetz als Waffe. Kontrolle, Abschreckung und Verfolgung in Deutschland 19331945 (1998) und Die Deutschen und der Holocaust. Was niemand wissen wollte, aber jeder wissen konnte (2007).