Dienstag, 20. November 2007 20:00 Uhr

Der Ulmer Prozess – SS Einsatzgruppen vor Gericht

Dokumentarfilm, 2006, 45 Min.

Im Anschluss an den Film stehen der Regisseur Eduard Erne und Helmut Opferkuch, ehemaliger Ermittlungsbeamter im Ulmer Prozess, für eine Diskussion zur Verfügung.
Moderation: Dr. Claudia Steur, Stiftung Topographie des Terrors

Martin-Gropius-Bau | Kinosaal | Niederkirchnerstr. 7 | 10963 Berlin-Kreuzberg

 

Am 28. April 1958 begann in Ulm der Prozess gegen zehn ehemalige Angehörige der „Einsatzgruppe A” („Einsatzkommando Tilsit”), die 1941 seit den ersten Tagen des Krieges gegen die Sowjetunion an den Massenerschießungen von Juden und Kommunisten bzw. von kommunistisch verdächtigten Personen in Litauen beteiligt waren. In mehr als 60 Verhandlungstagen konnte den Angeklagten die Beteiligung an fast 4000 Morden nachgewiesen werden. Wegen gemeinschaftlicher Beihilfe zum gemeinschaftlichen Mord wurden sie zu Zuchthausstrafen zwischen drei und fünfzehn Jahren verurteilt. Obwohl in dem Ulmer Prozess nur ein Ausschnitt aus dem brutalen Wirken aller Einsatzgruppen der Sicherheitspolizei und des SD Gegenstand der Verhandlung war, kann das als „Ulmer Einsatzgruppenprozess” bekannt gewordene Verfahren als ein Meilenstein in der juristischen Aufarbeitung der NS-Vergangenheit angesehen werden. Zum ersten Mal wurde vor einem deutschen Schwurgericht das Wirken der Einsatzgruppen verhandelt, und als Reaktion auf den Prozess wurde in Ludwigsburg die „Zentrale Stelle der Landesjustizverwaltungen zur Aufklärung nationalsozialistischer Verbrechen” eingerichtet, deren Hauptaufgabe die systematische Ermittlungsarbeit zur Aufklärung von NS-Verbrechen war. Der Film schildert die Entstehungsgeschichte und den Verlauf des Prozesses sowie die Reaktionen, die der Prozess in der Öffentlichkeit hervorrief. Im Mittelpunkt stehen die Aussagen der Überlebenden und der Zeugen im Prozess, die Arbeit der Ermittlungsbehörden und die Profile der Täter.

Eduard Erne, 1958 in Bregenz (Österreich) geboren, absolvierte ein Regiestudium in Salzburg und ist seit 2007 Redakteur beim Schweizer Fernsehen. Der in Frankfurt am Main lebende Autor, Regisseur und Produzent von Dokumentarfilmen arbeitete u.a. mit Extrafilm (Wien), Cineteam (Frankfurt/M.), ARTE, ZDF, ARD und 3sat zusammen und gründete 1999 die „Karisma Filmproduktion”. Zu seinen wichtigsten Dokumentarfilmen gehören „Totschweigen” (1994), „Der lange Schatten von Mogadischu” (1996), „Indiras Tagebuch” (2000) und „VogelMenschen” (2004).

Helmut Opferkuch, Jahrgang 1919, Soldat im Zweiten Weltkrieg, wurde 1946 nach seiner Entlassung aus der Kriegsgefangenschaft in den Polizeidienst eingestellt. Seit 1956 ermittelte er als Mitarbeiter des Landeskriminalamts Baden-Württemberg gegen den späteren Angeklagten im Ulmer Prozess Bernhard Fischer-Schweder. Nach Abschluss des Verfahrens gehörte Opferkuch seit 1959 der Sonderkommission der „Zentralen Stelle der Landesjustizverwaltungen zur Aufklärung nationalsozialistischer Verbrechen” in Ludwigsburg an. Von 1972 bis zu seinem Eintritt in den Ruhestand 1980 war er wieder im Landeskriminalamt in Stuttgart tätig.