Vor 70 Jahren: Die Nürnberger „Nachfolgeprozesse” 1946–1949

Eine Vortragsreihe der Stiftung Topographie des Terrors und der Hamburger Edition, Verlag des Hamburger Instituts für Sozialforschung

Dienstag, 18. Oktober 2016, 19 Uhr
Kammergericht Berlin, Elßholzstraße 30-33, 10781 Berlin
(Der Haupteingang des Kammergerichts befindet sich auf der Kleistparkseite. Es gibt eine Eingangskontrolle, bitte halten Sie ein gültiges Ausweisdokument bereit.)
Das Internationale Militärtribunal von Nürnberg 1945/46. Die Reden der Hauptankläger
Lesung: Gerd Wameling, Berlin
Kommentare: Dr. Rainer Huhle, Nürnberg
Einführung und Moderation: Dr. Bernd Pickel, Berlin
(In Kooperation mit dem Verein Forum Recht und Kultur im Kammergericht e.V., dem Nürnberger Menschenrechtszentrum e.V. und der Europäischen Verlagsanstalt)
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Dienstag, 25. Oktober 2016, 19 Uhr
Dokumentationszentrum Topographie des Terrors
(Veranstaltungsort für diese und alle weiteren Veranstaltungen)
Der Ärzte-Prozess (Fall 1)
25. Oktober 1946 – 20. August 1947
Vortrag: Prof. Dr. Paul Weindling, Oxford
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Dienstag, 8. November 2016, 19 Uhr
Der Prozess gegen Erhard Milch (Fall 2)
13. November 1946 – 17. April 1947
Vortrag: Dr. Lutz Budraß, Bochum
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Dienstag, 10. Januar 2017, 19 Uhr
Der Juristen-Prozess (Fall 3)
4. Januar 1947 – 4. Dezember 1947
Prof. Dr. Klaus Kastner, Nürnberg
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Dienstag, 17. Januar 2017, 19 Uhr
Der Prozess gegen das Wirtschafts-Verwaltungshauptamt der SS (Fall 4)
13. Januar 1947 – 3. November 1947
Vortrag: Dr. Jan Erik Schulte, Hadamar
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Dienstag, 14. Februar 2017, 19 Uhr
Der Flick-Prozess (Fall 5)
8. Februar 1947 – 22. Dezember 1947
Vortrag: Dr. Axel Drecoll, München
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Dienstag, 2. Mai 2017, 19 Uhr
Der I.G.-Farben-Prozess (Fall 6)
3. Mai 1947 – 30. Juli 1948
Vortrag: Prof. Dr. Stephan H. Lindner, München
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Dienstag, 9. Mai 2017, 19 Uhr
Der Prozess gegen die „Südost-Generäle” (Fall 7, „Geiselmord-Prozess”)
10. Mai 1947 – 19. Februar 1948
Vortrag: Florian Dierl, Nürnberg
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Dienstag, 27. Juni 2017, 19 Uhr
Der Prozess gegen das Rasse- und Siedlungshauptamt der SS (Fall 8)
1. Juli 1947 – 10. März 1948
Vortrag: Prof. Dr. Isabel Heinemann, Münster
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Dienstag, 11. Juli 2017, 19 Uhr
Der Einsatzgruppen-Prozess (Fall 9)
3. Juli 1947 – 10. April 1948
Vortrag: Prof. Dr. Michael Wildt, Berlin
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Dienstag, 5. September 2017, 19 Uhr
Der Krupp-Prozess (Fall 10)
16. August 1947 – 31. Juli 1948
Vortrag: Prof. Dr. Kim Christian Priemel, Oslo
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Dienstag, 24. Oktober 2017, 19 Uhr
Der Wilhelmstraßen-Prozess (Fall 11)
1. November 1947 – 14. April 1949
Vorträge: Dr. Dirk Pöppmann, Detmold, und Dr. Ralf Ahrens, Potsdam
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Dienstag, 21. November 2017, 19 Uhr
Der Prozess gegen das Oberkommando der Wehrmacht (Fall 12)
28. November 1947 – 28. Oktober 1948
Vortrag: Dr. Heike Krösche, Gallneukirchen
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Dienstag, 5. Dezember 2017, 19 Uhr
Rezeption und Bedeutung der US-Militärtribunale in Nürnberg
Podiumsdiskussion mit Dr. Gerd Hankel, Hamburg, Dr. Bernd Pickel, Berlin, Prof. Dr. Kim Christian Priemel, Oslo, und Dr. Alexa Stiller, Bern

Veranstaltungsort (außer am 18. Oktober 2016):
Topographie des Terrors
Niederkirchnerstraße 8
10963 Berlin-Kreuzberg
(U+S Potsdamer Platz, S Anhalter Banhof, Bus M29, M41)

Der Eintritt zu allen Veranstaltungen ist frei.

Information
Telefon 030 254509-13

Die zwölf Verfahren der Nürnberger Militärtribunale, in denen US-amerikanische Ankläger zwischen 1946 und 1949 die Funktionseliten aus Militär, Bürokratie, Partei und Wirtschaft des „Dritten Reichs” vor Gericht stellten, standen lange Zeit im Schatten des ersten „Hauptkriegsverbrecherprozesses” vor dem Internationalen Militärtribunal der Alliierten in Nürnberg. Und doch sollten auch diese „Nachfolgeprozesse” historisch wie juristisch eine erhebliche Wirkmacht entfalten.

Die Ermittler und Staatsanwälte stellten sich eine hochkomplexe Aufgabe: Auch jenseits der unmittelbaren Täter sollten Verantwortliche zur Rechenschaft gezogen und juristische Präzedenzfälle geschaffen werden. Damit verbunden war die Absicht, eine historisch korrekte Lesart der nationalsozialistischen Herrschaft zu etablieren.
Recht, Gerechtigkeit und Geschichte sollten Hand in Hand gehen. In der Umsetzung stieß dieses ambitionierte Vorhaben auf zahlreiche Probleme: praktische Schwierigkeiten der Beweisführung, kontroverse historische Interpretationen im Gerichtssaal, die wachsende Ablehnung der Verfahren in der deutschen und US-amerikanischen Öffentlichkeit sowie der beginnende Kalte Krieg.

Die Vortragsreihe der Stiftung Topographie des Terrors und der Hamburger Edition ist anlässlich der bevorstehenden 70. Jahrestage des Beginns der Nürnberger „Nachfolgeprozesse” konzipiert. Ausgehend von dem in der Hamburger Edition publizierten Band NMT. Die Nürnberger Militärtribunale zwischen Geschichte, Gerechtigkeit und Rechtschöpfung (2013, hg. v. Kim C. Priemel und Alexa Stiller) werden die Entstehungsgeschichte, der Verlauf, die Urteile und auch die Nachwirkungen der zwölf Prozesse dargestellt. In den Blick genommen werden ihre Protagonisten – Richter und Rechercheure, Ankläger und Analysten, Verteidiger und Verurteilte. Auch die historischen Kontexte und juristischen Probleme werden diskutiert.

Die Vortragsreihe wird im Berliner Kammergerichtsgebäude eröffnet – mit der Präsentation des Buchs Das Internationale Militärtribunal von Nürnberg 1945/46 (2015, hg. v. Nürnberger Menschenrechtszentrum) – in dem Saal, in dem am 18. Oktober 1945 das Internationale Militärtribunal (IMT) das Strafverfahren gegen führende Nationalsozialisten begann.

Flyer (PDF)